Berlin - Der Verfassungsschutz befürchtet angesichts des Flüchtlingsandrangs einen starken Anstieg der Zahl radikaler Islamisten in der Bundesrepublik. „Es bereitet uns große Sorge, dass Islamisten in Deutschland unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe versuchen, die Situation der Flüchtlinge gezielt für ihre Zwecke zu missbrauchen, Asylbewerber zu missionieren und zu rekrutieren“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen, in Berlin. „Unser Augenmerk liegt besonders auf jugendlichen unbegleiteten Flüchtlingen, die eine leichte Beute der Islamisten sein könnten.“ Hier liege erhebliches Radikalisierungspotenzial.

Maaßen betonte allerdings, seiner Behörde lägen bislang „keine belastbaren Erkenntnisse vor, dass dschihadistische Gruppierungen die Flüchtlingsströme zielgerichtet zur Infiltration des Bundesgebietes durch Einzeltäter oder Gruppen genutzt haben“. Bisher konnte noch kein Flüchtling als IS-Kämpfer identifiziert werden. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke.

Proteste bereiten der Behörde Sorgen

Nach BfV-Angaben ist die Zahl der mit Kampferfahrung aus den Gebieten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und dem Irak zurückgekehrten Islamisten in den vergangenen drei Monaten auf über 70 gestiegen. Sie gelten als besonders gefährlich. Vor drei Monaten gab es noch bei etwas mehr als 50 Rückkehrern Erkenntnisse, dass sie Kampferfahrungen gesammelt haben.

Der Verfassungsschutz-Präsident erklärte weiter: „Sorge bereitet uns, dass die Proteste einer Mischszene aus gewaltbereiten Rechtsextremisten, Fußballhooligans und aufgebrachten Bürgern ein erhebliches Eskalationspotenzial aufweisen. Hinzu kommen nicht zu unterschätzende Wechselwirkungen durch Gegenprotestete von Linksextremisten.“ Zuletzt hatten die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte sprunghaft zugenommen. In drei Vierteln der Fälle gehen sie, so weit bekannt, von Tätern aus der Umgebung der Heime aus.