Viele fühlen sich seit einiger Zeit wie im schlechten Film: lauter Katastrophennachrichten! Pandemie, Flutkatastrophen, Krieg in der Ukraine. Es gehe darum, das Land „krisenfester zu machen“, heißt es aus der Politik. Ein Mann, der dabei eine entscheidende Rolle spielen soll, ist Ralph Tiesler.

Er übernimmt am 15. Juni das Amt als neuer Chef des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Berufen wurde er von Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die ihn einen „sehr erfahrenen Krisenmanager und Katastrophenschützer“ nennt.

Katastrophenschutz in Deutschland hat große Lücken

Geboren wurde Ralph Tiesler 1959 in Neuss. 1992 begann er seine Tätigkeit im Technischen Hilfswerk (THW). 2004 übernahm er Abteilungsleitung für Krisenmanagement im BKK und war von 2009 bis 2016 dessen Vizepräsident. Von September 2015 an koordinierte er zunächst in München die Verteilung von Geflüchteten und leitete dann den Stab zur Koordinierung der Flüchtlingsankunft im Bundesinnenministerium.

Von 2016 bis 2018 war er Vizepräsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Nach der Bremer Asylaffäre 2018 tauschte Innenminister Seehofer die Führung des Hauses aus, Tiesler wurde Direktor des Bundesinstituts für Sportwissenschaft.

Dass es mit dem Katastrophenschutz in Deutschland nicht gut bestellt ist, zeigte sich schon beim bundesweiten Warntag 2020. Vielerorts fehlten Warnsysteme, etwa Sirenen. Tiesler soll nun Lücken schließen und Schutz ausbauen, gemeinsam mit den Bundesländern. Dazu soll ein „Gemeinsames Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz“ (GeKoB) errichtet werden.

Fähigkeiten zur Selbsthilfe sollen gestärkt werden

Tiesler übernimmt das Amt von Armin Schuster (CDU), der in Sachsen neuer Innenminister geworden ist. Sowohl das BKK als auch das THW sollen mehr Finanzmittel erhalten – allein 2022 für insgesamt 188 neue Stellen.

Neben modernen Warnsystemen geht es um besseren Schutz vor chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Stoffen, etwa durch Bunker. Die Nationalen Reserven für „modulare Unterkünfte und Versorgung in Notsituationen“ sollen ausgebaut und „die Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung“ in Krisensituationen wie Hochwasser oder Stromausfällen gestärkt werden.