Bodo Ramelow.
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Berlin (dpa) - Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat das geplante Ende der allgemeinen Corona-Beschränkungen in seinem Bundesland mit der aktuellen Infektionslage begründet. «Wir haben im März auf der Grundlage von Schätzungen von 60 000 Infizierten entschieden – jetzt haben wir aktuell 245 Infizierte», sagte der Linke-Politiker der «Bild am Sonntag» zur Situation in Thüringen. «Der Erfolg gibt uns mit den harten Maßnahmen recht – zwingt uns nun aber auch zu realistischen Konsequenzen und zum Handeln. Und das heißt: Für Thüringen empfehle ich die Aufhebung der Maßnahmen.»

Ramelow hatte angekündigt, vom 6. Juni an auf allgemeine landesweit gültige Corona-Schutzvorschriften verzichten zu wollen. Anstatt dieser Vorgaben soll es dann regionale Maßnahmen abhängig vom Infektionsgeschehen vor Ort geben. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten Anfang Mai vereinbart, die grundsätzlichen Kontaktbeschränkungen für die Bürger im öffentlichen Raum bis zum 5. Juni zu verlängern.

Aus anderen Bundesländern kamen zurückhaltende Reaktionen auf Ramelows Plan. «Ich halte eine komplette schnelle Lockerung für verfrüht», sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) der «Bild am Sonntag». Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte der Zeitung: «Ich bin dankbar für jede Lockerung, die wir verantworten können. Aber wir müssen umsichtig und vorsichtig sein.» Das Virus sei noch unter uns, die Gefahr noch nicht gebannt. «Wir dürfen die erzielten Erfolge im Kampf gegen die Seuche nicht fahrlässig aufs Spiel setzen.»