Betzdorf/Köln - Nach der mutmaßlichen Attacke zweier Unbekannter auf eine türkische Familie in Betzdorf hat sich der Zentralrat der Muslime entsetzt gezeigt. „Die Sicherheit von andersaussehenden und andersgläubigen Menschen scheint nicht mehr im ausreichenden Maße gewährleistet zu sein“, sagte Generalsekretärin Nurhan Soykan laut einer Mitteilung am Freitag in Köln. Auch mögliche Fehler bei dem folgenden Polizeieinsatz seien nicht hinnehmbar. „Wir fordern hier lückenlose Aufklärung.“

In dem Fall, der sich Ende August ereignete, ermittelt die Koblenzer Staatsanwaltschaft. Damals rief ein Paar in einem Haus in Betzdorf die Polizei, weil es sich und seine vier Kinder von zwei schwarz gekleideten Männern bedroht fühlte. In einem anderen Raum schlief nach Angaben der Behörde ein weiteres Kind. Ein Video soll den Überfall der Unbekannten dokumentieren. Als zwei Beamte eintrafen, waren die zwei Männer verschwunden, eine Fahndung blieb erfolglos. Zwei Tage später erhob der Bruder des Bewohners schwere Vorwürfe gegen die Polizisten und erstattete Strafanzeige.

Möglicherweise fremdenfeindliches Motiv

Demnach sollen die Beamten den Bewohner zu einer Aussage ohne Rechtsbeistand gezwungen haben. Außerdem sollen sie es versäumt haben, bei einem Kind die nötige ärztliche Behandlung zu veranlassen. Das Kind soll seinen Angaben zufolge ein Bauchtrauma, einen Bluterguss und eine Hirnprellung erlitten haben, die Mutter bis auf den Bluterguss die gleichen Blessuren. Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass die Polizisten aus fremdenfeindlichen Motiven so gehandelt haben. All dem wird laut Staatsanwaltschaft nun nachgegangen.
Derzeit lasse sich zu dem Vorwurf fremdenfeindlicher Hintergründe noch nichts sagen, betonte der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Kruse. „Im Moment kann ich weder bestätigen noch dementieren, ob und wie es zu einer Bedrohung der türkischen Familie gekommen ist.“ (dpa)