Berlin - Er wollte als erste aus Syrien geflüchtete Person in den Bundestag, nun hat Tareq Alaows seine Kandidatur für die Grünen in Oberhausen und Dinslaken zurückgezogen. Der Grund: Er fürchtet um seine Sicherheit und die seines engsten Umfeldes.

„Die hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mir nahestehende Menschen ist der wichtigste Grund für die Rücknahme meiner Kandidatur“, erklärt Alaows in einer Stellungnahme, aus der der Ortsverband der Grünen Dinslaken am Dienstag zitiert. Darin ist auch von massiven Rassismuserfahrungen die Rede, die Tareq Alaows während seiner Kandidatur gemacht habe.

„Meine Kandidatur hat gezeigt, dass wir in allen Parteien, der Politik und der Gesellschaft starke Strukturen brauchen, die strukturellem Rassismus entgegentreten und Betroffenen helfen“, so Alaows. „Die große öffentliche Aufmerksamkeit für meine Kandidatur hat gezeigt, was für uns, geflüchtete Menschen, möglich sein kann. In unserer Gesellschaft mangelt es leider an diskriminierungsfreien Räumen in allen Bereichen des Lebens. Es ist an uns allen, dies konkret in unserem Umfeld anzugehen und zu verändern.“

Grünen-Ortsverband bedauert den Rückzug von Alaows

Die Grünen in Oberhausen und Dinslaken drückten ihr Bedauern über die Entscheidung aus: „Wir hätten uns gewünscht, weiterhin mit Herrn Alaows als unserem Bundestagskandidaten für eine humane Asyl- und Migrationspolitik streiten zu können. Leider ist dies aufgrund der angespannten Sicherheitslage nicht mehr möglich. Für diese Entscheidung des Rückzugs zum Wohle der Sicherheit seines engsten Umfelds hat er Respekt verdient und unseren Rückhalt“, erklären der Kreis- und Ortsverband. Man wolle nun nach einer neuen Kandidatin oder einem neuen Kandidaten für den Wahlkreis suchen.

Der NRW-Landesvorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, sagte der Berliner Zeitung: „Ich bedaure den Rückzug von Tareq Alaows, aber er ist vor dem Hintergrund der Bedrohungslage verständlich. Ich respektiere seine Entscheidung. Seine Kandidatur und die damit aufgeworfene öffentliche Debatte hat Chancen für mehr Teilhabe von Menschen mit Fluchterfahrung, aber leider auch viele Herausforderungen aufgezeigt.“ Er sei sehr froh, dass sich Alaows auch in Zukunft weiterhin bei den Grünen für seine politischen Ziele einsetzen werde.

Banaszak forderte die Gesellschaft auf, sich rassistischen Anfeindungen und Bedrohungen von rechts noch wirksamer entgegenzustellen. Diese seien nicht nur eine Gefahr für die Betroffenen selbst, sondern auch eine Gefahr für die plurale Demokratie. 

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, zeigte sich auf Twitter erschüttert. „Dass es Tareq Alaows nicht möglich ist, für den Bundestag zu kandidieren, ohne seine und die Sicherheit seiner Familie aufs Spiel zusetzen, ist hochgradig beschämend für unsere demokratische Gesellschaft“, schrieb sie auf der Plattform. 

„Ich danke allen, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben“, schreibt Alaows in seiner Stellungnahme. „Ich habe viele Situationen erlebt, die mir große Hoffnung gegeben haben – sowohl in der Partei als auch außerhalb. Unglaublich viel Unterstützung von Einzelpersonen, aus der Zivilgesellschaft und auch aus meinem Team.“

Der 31-Jährige, der in Syrien Internationale Beziehungen und Jura studiert hat, war 2015 nach Deutschland gekommen. Noch im Februar sagte er der Berliner Zeitung: „Ich fühle mich der deutschen Gesellschaft zugehörig und der Geschichte, die in diesem Land gerade geschrieben wird, ich will ein Teil dieser Geschichte sein.“