Rassismus: Türen zu, kriminelle und ansteckende Flüchtlinge beim Zahnarzt!

Mit einem fragwürdigen Aushang hat eine Erfurter Zahnärztin einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Darin informiert sie die übrigen Hausbewohner, dass ihre Praxis am kommenden Samstag Notdienst habe und vom Gesetzgeber verpflichtet wurde, "Asylsuchende im Notdienst zu behandeln.“ Zu diesem Termin würden die Flüchtlinge mit einem „Sammeltransport“ zugewiesen. Daher bitte sie die Anwohner, „keine Wertgegenstände im Treppenhaus oder im Auto liegen zu lassen.“

Dann zählt die Praxis zahlreiche übertragbare Krankheiten wie Läuse, Krätze, Masern und EHEC auf, die laut „Robert-Koch-Institut und Landesamt für Verbraucherschutz bei Asylsuchenden diagnostiziert wurden.“ Daher würden nach der Behandlung Treppenhaus und Türen desinfiziert.

Landeszahnärztekammer distanziert sich

Es dauerte nicht lange, da hing diese Information nicht nur im Treppenhaus, sondern auch im Netz. Die linksaktivistische Facebook-Seite „Arbeitskreis feministischer Muslima in der NPD“ verbreitete die Hinweise am Dienstag.

Die Reaktionen folgten umgehend. Ein User kritisierte, dass „die Art der Formulierung nicht neutral-warnend, sondern klar von rassistischen Vorurteilen geprägt“ sei. Auch die Landeszahnärztekammer Thüringen gab eine Stellungnahme ab. Darin heißt es: „Wir Thüringer Zahnärzte distanzieren uns ausdrücklich von dem Aushang dieser einzelnen Praxis. Der Inhalt war geeignet, Asylsuchende pauschal zu kriminalisieren, zu diffamieren sowie Patienten und Anwohner gegen Asylsuchende aufzuhetzen.“

Die Zahnärztin hatte die Reaktion offenbar nicht erwartet. Der Zettel war jedenfalls nach kurzer Zeit weg.

Beim Robert-Koch-Instituts wollten man den Vorgang nicht kommentieren. Auf der Website des RKI stellt das Institut fest, Asylsuchende stellen „eher eine gefährdete Gruppe als eine Gruppe, von der für andere eine Gefahr ausgeht“ dar. Weiter heißt es: „Das RKI sieht derzeit aber keine erhöhte Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende, vor allem wenn die Bevölkerung den grundsätzlich geltenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) nachkommt.“

Zahnarztpraxis wittert Hetzkampagne gegen sich

Auch die Zahnärztin wollte sich nicht äußern, am Mittwoch blieb ihre Praxis „wegen Krankheit geschlossen.“ Auf ihrer Webseite beklagt die Ärztin, „eine Hetzkampagne gegen meine Praxis und mein Praxisteam“, distanziert sich von jeglichem Rassismus und erklärt, dass sie bereits rechtliche Schritte eingeleitet habe.

In den vergangenen Tagen hatte bereits ein ähnlicher Fall aus dem sächsischen Ellefeld für Empörung gesorgt. Dort lehnte ein Internist und AfD-Mitglied bei einer Gemeinderatssitzung die Behandlung von Flüchtlingen mit den Worten ab: „Wenn ich Ausländer behandeln wollte, wäre ich zu Ärzte ohne Grenzen gegangen.“ Gegen den Mediziner liegt inzwischen eine Beschwerde bei der Sächsischen Landesärztekammer vor.