Eine Reservebank. 
Foto: imago images/Westend61

Berlin - Neulich besuchte ich meinen Freund Theo in Greifswald. Morgens lasen wir in der Ostsee-Zeitung diese laut Theo „nicht untypische“ Geschichte: Vor zwei Jahren hatten Flüchtlinge aus Syrien in Greifswald den FC Al Karama gegründet. Karama bedeutet Würde; und tatsächlich schaffte es der neue Club in die Kreisliga. Jetzt aber zieht er sich zurück, nachdem die Spieler zum zweiten Mal beim VSV Lassan zu Gast gewesen waren, also in jenem entlegenen Städtchen am Peenestrom, das Wolf Biermann in der „Ballade von der alten Stadt Lassan“ als über fünf Jahrhunderte in sich schlummernd besungen hat. Ganz anders bei besagtem Fußballspiel. Da skandierte am 25. Juli 2020 eine urgermanische Zuschauerhorde mit Kurzhaarschnitt und Bomberjacken „Wir sind gar nicht rechtsradikal!“ – in ihrer Mitte ein rassereiner Deutscher mit Schweinskopfmaske. Zwei Männer reckten den Arm zum Hitlergruß, einer brüllte „Sieg Heil!“.

Zum Besuch des Spiels hatte die – ebenfalls vor zwei Jahren geschaffene - Facebook-Seite „Fußball im Kreis bleibt weiß“ getrommelt. Ihr Logo besteht aus dem DDR-Ährenkranz, der einen grimmigen Reichsadler umschließt, und ist im Schwarz-Weiß-Rot der Reichskriegsflagge gehalten. Die nur eines gebrochenen Schriftdeutsch mächtigen Rassisten präsentieren sich so: „Wir sind eine Seite die gegen eine Asyl-Mannschaft im Amteurfußball sind.“ Gemeint ist die Flüchtlingsmannschaft. Das Motto „Fußball im Kreis bleibt weiß“ riecht nach Volksverhetzung. Aber das kümmert in dieser angebräunten Ecke Deutschlands weder die Polizei noch den Staatsanwalt oder Facebook.

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