Den Haag - Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic (75) ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für den Völkermord in Srebrenica 1995 schuldig gesprochen worden. Mladic droht eine lebenslange Haftstrafe. Die Richter des UN-Tribunals sollten bei der Verlesung des Urteils das Strafmaß noch am Mittwoch verkünden.

Während der Urteilsverkündung ist der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic wegen störender Zwischenrufe des Saales verwiesen worden. „Sie lügen, sie lügen“, schrie der 74-Jährige am Mittwoch, während der Vorsitzende Richter Alphons Orie das Urteil verlas. Orie ließ den Angeklagten aus dem Saal bringen, nachdem er zuvor einen Antrag der Verteidigung abgelehnt hatte, das Verfahren wegen Mladics hohem Blutdruck zu unterbrechen.

Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

Mladic ist wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs zwischen 1992 und 1995 angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft, die Verteidigung Freispruch. Mladic war Ende Mai 2011 in Lazarevo in Serbien festgenommen worden.

Mladic wird insbesondere eine Verantwortung für das Massaker im ostbosnischen Srebrenica zur Last gelegt. Bosnisch-serbische Einheiten hatten im Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica angegriffen und Schätzungen zufolge 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Verantworten muss sich Mladic auch für die 44-monatige Belagerung von Sarajevo ab Mai 1992, bei der nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 10.000 Menschen getötet wurden. (dpa)