Nach Rattengift-Vorwürfen gegen Lidl erhält der Discounter Rückendeckung eines Handelsexperten. „Ich würde Lidl hier in Schutz nehmen“, sagte Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Freitag.

Um Schädlinge zu bekämpfen, habe der Lebensmitteldiscounter Fremdfirmen im Einsatz - und die seien letztlich für die Panne verantwortlich. Nach einem Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“ soll Lidl Rattengift nicht vorschriftsmäßig in seinen Verkaufsräumen ausgelegt und so Mitarbeiter und Kunden gefährdet haben. „Kontraste“ berichtete unter Berufung auf Beschäftigte der Supermarktkette in Niedersachsen, Bayern und Berlin.

„Lidl muss offensichtlich stärker darauf achten, welche Schädlingsbekämpfer sie beschäftigen“, sagte der Branchenkenner. Nicht selten handle es sich dabei um Ein-Mann-Unternehmen, die nicht professionell genug zu Werke gingen. Da die Anbieter regional eingesetzt würden, könnten die Rattengift-Problemen allerdings lediglich Einzelfälle sein.

Nach Pferdefleisch nun Rattengift

Lidl hatte bereits angekündigt, die Vorwürfe zum Anlass zu nehmen, um Abläufe zu überprüfen. Aktuell lägen keine Hinweise von Mitarbeitern über gesundheitliche Beschwerden vor. Lidl kontrolliere seine Märkte zudem täglich auf Schädlingsbefall.

Den Fernsehbeitrag, der am Vorabend ausgestrahlt worden war, wollte Lidl am Freitag allerdings nicht kommentieren. Ein Sprecher blieb bei seiner Darstellung: „Der Einkauf bei Lidl ist sicher und gefahrlos möglich.“

Verbraucherschützer hatten den Discounter am Vortag heftig kritisiert. Sie sehen Versäumnisse bei der Art und Weise, wie das Gift verteilt wurde. „Das sind so nicht haltbare Zustände“, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale am Freitag. „Ungesichert Rattengift auslegen, das darf nicht sein.“

Der Discounter war in der Vergangenheit schon mehrfach in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Meistens ging es dabei aber um den Umgang mit seinen Mitarbeitern: Lidl beobachtete seine Angestellten nicht nur mit Kameras, sondern führte auch über ihren Krankenstand genau Buch. Auch vom jüngsten Skandal um Pferdefleisch in Fertigprodukten war Lidl betroffen. (dpa)