Ein Demonstrantin atmet während eines Protests vor dem Parlament in Kapstadt gegen das Tabakverbot Rauch aus.
Foto: dpa/Nardus Engelbrecht

BerlinWeitgehend unbemerkt hat in Südafrika ein weltweit einmaliges gesellschaftliches Großexperiment stattgefunden, eine Großübung in Volksgesundheit. Im Rahmen der allgemeinen Corona-Beschränkungen wurde vor drei Monaten der Verkauf von Zigaretten verboten. Zur Begründung hieß es damals, dass Raucher anfälliger für die Komplikationen durch Covid-19 seien und das Gesundheitssystem durch deren massenhafte Erkrankung überfordert wäre. Möglich, dass eine erkleckliche Zahl von Menschen dem Tabak seitdem abgeschworen haben. Aber ansonsten ist das Experiment gescheitert.

Was hat die drakonische Maßnahme im Ganzen gebracht? Zum einen die Erkenntnis, dass eine Sucht immer Wege der Befriedigung findet. In Südafrika ist ein Schwarzmarkt entstanden, auf dem sich die Menschen mit den offenbar Notwendigen zu vollkommen überhöhten Preisen versorgen. Verbote schüren Bedürfnisse. Zum anderen die Erkenntnis, dass gesundheitspolizeiliche Maßnahmen dieses Ausmaßes verständlich erklärt und vor allem durchführbar geplant werden müssen. Politik schafft Akzeptanz. Oder sie scheitert.

Und so wurde die Chance vertan, im Windschatten der Pandemie einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheit zu leisten. Offenbar folgte die die zuständige Ministerin Nkosazana Dlamini-Zuma einer Obsession, die Medizinerin setzte sich schon früh für ein strenges Rauchverbot an öffentlichen Plätzen ein – was ihr 1999 den Tobacco Free World Award der WHO einbrachte. Aber sie kümmerte sich wenig um die praktische Durchsetzung ihrer Initiative. Und so bleibt der verzweifelte Erfindungsreichtum der Menschen, die auf einmal Zigaretten aus Rooibosblättern paffen. Doch ist hier nichts lustig: Denn Nikotinsucht bedeutet immer die Lust des einen auf Kosten aller anderen.