Darmstadt - Der frühere Fernsehkommissar und Ex-Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber tritt nach der Diskussion über die Aussagen des Aufsichtsratschef von Schalke 04, Clemens Tönnies, aus der CDU aus. Das kündigte der früher als Kommissar Henry Johnson in der ZDF-Krimiserie „Der Alte“ ermittelnde 62-Jährige via Facebook an. Als Grund nennt er Äußerungen des Afrika-Beauftragten der Kanzlerin, Günter Nooke (CDU), die seiner Auffassung nach eine rassistisch motivierte Kommunikation von Tönnies relativieren.

Huber saß für den Wahlkreis Darmstadt von 2013 bis 2017 für die CDU im Bundestag und setzte sich besonders für die Belange Afrikas ein. Er ist Sohn eines senegalesischen Diplomaten und einer Deutschen. Zuvor hatte die „Hessenschau“ am Donnerstag hierüber berichtet.

„Das ist inakzeptabel“

Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte Tönnies.

Nooke hatte hierauf gefordert, eine ehrliche Debatte zu führen. „Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden“, sagte Nooke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Flankenschutz für eine rassistische Äußerung ist inakzeptabel“, sagte Huber am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Nooke habe gewusst, zu welchem Zeitpunkt er so etwas sagt und setze sich vor dem Hintergrund der Tönnies-Aussage mit in das Boot. „Das geht nicht und ist nicht verantwortungsvoll.“ Es sei seine Aufgabe, sich um das Verhältnis mit Afrika zu kümmern und nicht als Innenpolitiker aufzutreten. Solche Ressentiments zu verschlimmern sei brandgefährlich.

Charles Huber: „Die CDU lässt Rassismus zu“

„Die CDU lässt Rassismus zu, das kann ich nicht weiter hinnehmen“, sagte Huber der „Welt“ über seine Motive und zeigte sich besorgt über einen zunehmenden Rassismus in Deutschland seit der Flüchtlingskrise. „In der öffentlichen Wahrnehmung ist dadurch jeder zum Flüchtling geworden - auch die, die wie ich in Deutschland geboren wurden, auch die gut Integrierten.“ Die Erfahrungswelt von Schwarzen werde in Deutschland komplett negiert.

Der Generalsekretär der CDU Hessen, Manfred Pentz, bedauerte die Entscheidung Hubers. „Ich persönlich appelliere immer dafür, sich an einer innerparteilichen Diskussion zu beteiligen und konstruktiv einen Lösungsweg zu finden.“ Ein Rückzug sei seines Erachtens nicht der richtige Ansatz. „Den Vorwurf, dass unsere Partei Rassismus dulde, weise ich mit Nachdruck zurück.“ (dpa)