Köln - Die Räumung des Hambacher Forstes wird auch international mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Wo in den World News der „New York Times“ sonst Kim Jong Uns Raketentests oder der Krieg in Syrien zu finden sind, steht nun die Räumung eines kleinen Waldstücks im mittleren Westen Deutschlands im Blickpunkt.

Die starke symbolische Kraft, die der seit 12.000 Jahren bestehende Wald in der aktuellen Klimadebatte besitzt, ist der US-Zeitung sogar eine längere Geschichte wert gewesen. Mit Interesse wird dabei Deutschlands doppeltes Gesicht in der Klimadebatte zur Kenntnis genommen. So werden die US-Leser von Umweltschützern auf die massive Diskrepanz zwischen den Zusagen der Bundesregierung beim Pariser Klimaabkommen und dem Vorgehen in Hambach hingewiesen.

Der Absicht, die CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren, stehe eine Praxis gegenüber, die einzigen natürlichen Ressourcen des Landes wie Kohle oder Braunkohle zur Energiegewinnung für die heimische Wirtschaft zu verfeuern. Herhalten müsse ein Wald, in dem englische Eichen und Hainbuchen stünden und in jedem Frühling ein Maiglöckchen-Teppich zu finden sei.

Die „New York Times“ zitiert zwar auch Polizisten, die darauf verweisen, dass die Gewalt im Vergleich zu vorherigen Zeiten deutlich zugenommen habe. Doch werden die Aktivisten in dem Text mit den Worten zitiert, dass die einzig wahre Gefahr von dem Energiekonzern RWE ausgehe, der den Tagebau über nun 90 Prozent der ursprünglichen Waldfläche ausgebreitet habe.

So kommt der Förster Michael Zobel zu Wort, der dem Konzern vorwirft, bereits viel von dem Wald zerstört zu haben und nun vollendete Tatsachen schaffen wollten, obwohl es noch einen Gerichtsentscheid abzuwarten gelte, ob der Hambacher Forst unter Naturschutz gestellt werden muss.

Auch die französische Tageszeitung „Le Monde“ oder der britische „Guardian“ berichten ausführlich von den Vorgängen im Westen Kölns. Der „Guardian“ lässt Jan Pütz von der Aktion Unterholz zu Wort kommen, der die Zerstörung des Wald es unakzeptabel bezeichnet.

Auch dem Guardian geht es um die Rolle Deutschlands als eine Führungsmacht in Bezug auf den Klimawandel. Das Land habe massiv den Anteil der erneuerbaren Energie in den vergangenen Jahren vorangetrieben, heißt es. Dennoch würde das Land nach wie vor stark von der Kohle abhängig bleiben.

Ein Grund hierfür sei die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, aus der Atomenergie auszusteigen. So habe Berlin bereits zugegeben, dass man das für 2022 ausgemachte Ziel zur Reduzierung der Kohlendioxidemissionen nicht mehr erreichen werde.

Die Symbolkraft der Abholzung eines alten Waldes könnte auf internationaler Ebene kaum größer sein. Mit den Vorgängen im Hambacher Forst sieht man die Glaubwürdigkeit Deutschlands als Klimavorreiter untrennbar verknüpft.