Recep Tayyip Erdogans Nazi-Vorwurf: Wie die Niederlande unter Nazi-Deutschland litten

Köln - Der türkische Präsident Erdogan hat nach den Deutschen auch die Niederländer wegen des Einreise- und Redeverbots für zwei seiner Minister als „Faschisten“ bezeichnet. Diese Kennzeichnung ist mit der gebotenen Schärfe zurückgewiesen worden: „Es ist äußerst widerlich, dass ausgerechnet wir – mit unserer Geschichte – als Nazis beschimpft werden“, sagte zum Beispiel der sozialdemokratische Vizepremier, Lodewijk Asscher, im niederländischen Radio. 

Tatsächlich hat es die Türkei angesichts dessen, was die Niederlande vonseiten Hitler-Deutschlands zu erdulden hatten, noch weniger als Deutschland verdient, von unberufener Seite mit der Faschismus-Keule traktiert zu werden. Obwohl er daran nicht interessiert sein dürfte, folgt hier aus gegebenem Anlass eigens für den türkischen Präsidenten eine kleine Lektion zu einem besonders bedrückenden Kapitel europäischer Geschichte im 20. Jahrhundert.

Holländische Armee konnte der deutschen nur wenig entgegensetzen

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 hatte die niederländische Regierung gehofft, durch eine Politik strikter Neutralität das Land ähnlich wie im Ersten Weltkrieg aus den militärischen Auseinandersetzungen heraushalten zu können.

Genauso wie das den übermächtigen östlichen Nachbarn fürchtende Belgien weigerten sich daher auch die Niederlande, alliierte Truppen ins Land zu lassen. Genutzt hat es ihnen wenig: Um die Nordflanke des bevorstehenden deutschen Angriffs auf Frankreich zu decken, überfiel die Wehrmacht am 10. Mai 1940 unter flagranter Verletzung des geltenden Völkerrechts Belgien und die Niederlande. Die schwache holländische Armee konnte dem nur wenig entgegensetzen, binnen kurzem wurden große Teile des Landes besetzt. Königsfamilie und Regierung setzten sich, um ihrer Gefangennahme zu entgehen, ins Exil nach London ab.

Um die Kapitulation des Landes zu beschleunigen, bombardierte Görings Luftwaffe die Hafenstadt Rotterdam – die Nachricht, dass die Stadt von ihren Verteidigern übergeben werden sollte, hatte die angreifenden Verbände zu spät erreicht. Bei der Attacke starben 800 Menschen, die Altstadt wurde mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht.

Es war die erste „Ausradierung„ (Hitler) einer europäischen Metropole im Zweiten Weltkrieg, weitere Städte wie das englische Coventry sollten folgen, ehe der Luftkrieg seit 1942 verstärkt auf Deutschland zurückschlug und dort bis zum Kriegsende zur großflächigen Zerstörung zumal von Groß- und Mittelstädten führte (darunter auch Kölns).