Berlin - Für die Bundeswehr gehören ihre 349 Schützenpanzer vom Typ Puma zu den wichtigsten Geräten. Die bis zu 45 Tonnen schweren Gefährte vom Hersteller Rheinmetall sollen ein zentraler Beitrag des Heers zur VJTF sein, der schnellen Einsatztruppe der Nato, gegründet nach der Annexion der Krim. Doch auch nach zwanzig Jahren Entwicklungsarbeit funktioniert der Puma nicht zuverlässig – und verursacht immense Mehrkosten. 

Der Bundesrechnungshof schlägt darum in einem vertraulichen Bericht von dieser Woche Alarm. Es bestünde die Gefahr, dass „nicht alle Schützenpanzer Puma […] in einen einsatzfähigen Zustand umgerüstet werden könnten“, heißt es in dem Papier, das der Berliner Zeitung vorliegt. Notwendige Nachrüstungen an den Fahrzeugen kosten nicht nur doppelt so viel wie geplant, zwei Milliarden statt wie geplant eine.

Die Prüfer monieren auch, es hätten bislang keine angemessenen Überprüfungen der 41 bereits modifizierten Panzer stattgefunden – möglicherweise gibt es also Schwächen, die noch gar nicht entdeckt wurden. Einsatzfähig sind derzeit nach Angaben des Verteidigungsministeriums ohnehin nur rund die Hälfte der Kriegsgeräte.

Endet der Schützenpanzer Puma als Investitionswrack?

Anlass für den Bericht sind Umbauten an wenige Jahre alten Panzern, die 2019 in Auftrag gegeben wurden. Das Heer hatte zuvor diverse Defizite moniert, unter anderem an den Waffen- und Kommunikationssystemen, auch die Sichtmöglichkeiten aus den Fahrzeugen sind nicht ausreichend. Eine Milliarde veranschlagte das Verteidigungsministerium – und wurde dann davon „überrascht“, so ist dem Rechnungshof-Bericht zu entnehmen, dass sich das Angebot des Herstellers auf die doppelte Summe belief.

Allein die Kostensteigerung zieht Probleme nach sich – denn der Puma steht ja in einer Reihe von Rüstungsprojekten, die sich deutlich verteuern. Wo das Ministerium das nötige Geld auftreiben will, um die zusätzlichen Kosten zu stemmen, ist unklar. Etwaiger Spielraum im Haushalt sei nicht ersichtlich, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Berliner Zeitung. Die Alternative wäre, nur einen Teil der 297 Panzer nachzurüsten. Die übrigen Fahrzeuge wären dann aber nur bedingt einsatzfähig, überspitzt formuliert also Investitionswracks. Absehbar würde das auch die Nato-Partner beunruhigen.

Und weitere Schwierigkeiten zeichnen sich bereits ab. Dem engen Zeitplan und teilweise auch der Pandemie fiel ein Teil der Überprüfungen der ersten umgebauten Pumas zum Opfer. Die Bundeswehr verließ sich stattdessen teilweise auf Tests des Herstellers.

Linke-Abgeordnete Lötzsch kritisiert Kostenexplosion

Treten weitere Defizite auf, dann dürfte sich die Nachrüstung der weiteren Panzer abermals verteuern. Zudem sollen schon bald weitere Pumas für 3,4 Milliarden Euro bestellt werden. Auch dieser Preis könnte sich erhöhen, wenn zusätzliche Anforderungen an die Systeme erst im Nachhinein klar werden. 

Die Empfehlung des Rechnungshofs lautet darum: Erst solle das Heer die umgerüsteten Panzer erproben, auf dieser Grundlage könnten die weiteren Umbauten und die Bestellung neuer Pumas erfolgen. Das Verteidigungsministerium betonte in einer Stellungnahme, dass weitere Erprobungen stattfinden. Bis 2023 sollten die Entscheidungsgrundlagen vorliegen.

Spott gab es von der linken Abgeordneten Gesine Lötzsch. Der Umstand, dass der Puma nicht unabhängig getestet worden sei und die Kostenexplosion müssten jeden Haushaltspolitiker auf die Palme treiben, sagte sie der Berliner Zeitung. „Offensichtlich will Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer das 2-Prozent-Ziel der NATO übererfüllen.“