Das schier unglaubliche Versagen des Verfassungsschutzes bei der Überwachung und Verfolgung von Rechtsextremismus und -terrorismus ließe sich leicht mit Inkompetenz der Beamten erklären. Auffällig ist, wie bereitwillig die Dienstherren der Verfassungsschützer in Bund und Ländern diesen Erklärungsansatz aufgreifen. Es scheint, als wären ihnen Häme und Spott noch das geringere Übel, das dem Verfassungsschutz drohen könnte. Denn, so eine Theorie, wäre es nicht ein viel größerer Skandal, wenn der Geheimdienst gar nicht so inkompetent gewesen wäre? Wenn er jahrelang in der festen Überzeugung gehandelt hätte, durch seine an strategisch wichtigen Punkten platzierten V-Leute Prozesse und Entwicklungen in der rechten Szene vorantreiben und steuern zu können? Um am Ende erkennen zu müssen, dass ihm die Operation entglitten wäre und er dadurch eine indirekte Mitschuld an den Morden des NSU trüge?

Da wäre etwa Kai D., der – so steht es in einem Schreiben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) an den NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag – in den 1980er und 1990er Jahren V-Mann erst des Berliner und dann des Bayerischen LfV war. Während seiner Agentenzeit gehörte D. zu den maßgeblichen Aktivisten der von Michael Kühnen 1988 gegründeten „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front“ (GdNF). Die GdNF war Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre die einflussreichste nationalsozialistische Kaderorganisation. Nach dem Mauerfall intensivierte die „Neue Front“ den Aufbau von Organisationsstrukturen in der ehemaligen DDR.

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