Berlin - Ein Unbekannter hat in der Nacht zum Montag einen Brandsatz gegen den Reichstag in Berlin geworfen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei zündete der Täter gegen 2 Uhr in der Paul-Löbe-Allee eine mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte Flasche an und warf sie in Richtung des nördlichen Eingangs des Reichstags.

Die Glasflasche schlug auf der Treppe auf, sie zerschellte und der Inhalt entzündete sich. Das Feuer konnte vom Eingangsbereich nicht auf den Reichstag übergreifen, es erlosch von selbst. Verletzt wurde niemand. Trotz des Wachschutzes konnte der Täter flüchten. Zeugen zufolge soll der Mann in Richtung des Hauptbahnhofes gerannt sein. Nach Angaben von Polizisten hatte ein Zeuge den Täter noch ein längeres Stück verfolgen können, ihn dann aber aus den Augen verloren. Eine Absuche mit zahlreichen Polizisten blieb erfolglos.

Am Ort hinterließ der Mann Flugblätter. Die Blätter im A4-Format waren paarweise zusammengeheftet und enthielten diverse Anschuldigungen gegen die Bundesregierung. Die lasse eine immer weitere Zuwanderung von Ausländern zu, die das Land balkanisiere. In dem Pamphlet beruft sich der Verfasser unter anderem auf den französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen wegen versuchter schwerer Brandstiftung übernommen. Kriminalbeamte stellten die Scherben und die Überreste einer Stofflunte für Laboruntersuchungen sicher.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Gebäude Ziel eines Anschlags wurde. Im Jahr 2000 hatte ein Mann mit einem Auto eine gepanzerte Glastür am Reichstagsgebäude gerammt. Dann versuchte er, das Auto in Brand zu stecken. Die Tat wurde in letzter Minute verhindert. Vor Gericht zeigte sich später, dass der Mann Politiker auf sich aufmerksam machen wollte.

Anschläge mit selbst gebauten Brandsätzen sind in Berlin nicht selten. Ziele waren in der Vergangenheit etwa Moscheen und Flüchtlingsheime. Aus dem linken Spektrum wurden Anschläge auch auf öffentliche Gebäude verübt: Betroffen waren im Sommer etwa das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg und das Bürgeramt Prenzlauer Berg. Auch eine Polizeiwache wurde vor Jahren auf diese Weise attackiert. (mit dpa)