Washington - US-Präsident Donald Trump hat eine Zeit harter und uneingeschränkter US-amerikanischer Interessenpolitik angekündigt. Von diesem Tag an gelte nur noch die Devise „Amerika zuerst“, sagt er bei seiner Amtseinführung in Washington. Es gälten fortan zwei Regeln: „Kauft amerikanisch, stellt amerikanisch ein“, fügte er hinzu. Statt sich wie in der Vergangenheit darauf zu konzentrieren, andere Länder reich zu machen oder zu verteidigen, gehe es jetzt zuallererst darum, den Vereinigten Staaten zu alter Größe zu verhelfen. „Amerika wird wieder gewinnen, gewinnen wie niemals zuvor“, sagte Trump.

Trump wird vereidigt

Während US-Präsidenten bei ihrer Amtseinführung üblicherweise einen Schwerpunkt darauf legen, Wunden des Wahlkampfes zu heilen, griff Trump ein zentrales Motiv seiner Anti-Establishment-Kampagne aus dem Wahlkampf auf. Der Milliardär sagte, das Establishment im Land habe nur sich selbst geschützt, aber nicht die Interessen der Bürger. Es gehe daher nicht nur um einen Übergang vom einen Präsidenten zum anderen, sondern darum, „die Macht Washingtons den Bürgern zurück zu geben“. Gerade mit Blick auf jene, die etwa einen Fabrikjob verloren haben, sagte er: „Die vergessenen Männer unseres Landes werden nicht länger vergessen sein.“

„Alle, die gedacht haben, Trump würde als Präsident plötzlich ein anderer sein, haben sich getäuscht“, sagte Christian Hacke, emeritierter Politik-Professor an der Universität Bonn, dieser Zeitung. „Einen solchen US-Präsidenten haben wir alle in unseren Lebzeiten nicht erlebt“, fügte der Amerika-Experte hinzu. Hacke erklärte: „Um eine halbwegs vergleichbare Antrittsrede zu finden, muss man weit in der Geschichte zurückgehen – bis zum Jahr 1829 und Andrew Jackson, dem siebten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Auch er setzte auf den Patriotismus der kleinen Leute und die Botschaft »Amerika zuerst«.“

Vor seiner Antrittsrede hatte Trump – mit fester Stimme – seinen Amtseid als 45. Präsident der Vereinigten Staaten gemäß der traditionellen Formel geschworen: „Ich, Donald Trump, schwöre feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich ausführen und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften wahren, schützen und verteidigen werde.“

Hillary Clinton kommt zur Amtseinführung

Auch die Demokratin Hillary Clinton, der in den Tagen vor der Wahl am 8. November von den meisten Meinungsforschern ein Sieg vorausgesagt worden war, nahm an der Einführungszeremonie für Donald Trump teil. Dieser hatte Hillary Clinton im Wahlkampf immer wieder hart persönlich attackiert und sogar gesagt, sollte er Präsident werden, würde Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre in ihrer Zeit als US-Außenministerin im Gefängnis landen. Via Twitter teilte Clinton vor Trumps Amtseinführung mit: „Ich bin heute hier, um unsere Demokratie und ihre beständigen Werte zu ehren. Ich werde nie aufhören, an unser Land und unsere Zukunft zu glauben.“

Die Wahl hatte die amerikanische Gesellschaft gespalten zurückgelassen. Hillary Clinton kam zwar landesweist insgesamt auf mehr Stimmen als Donald Trump, doch dieser entschied das Rennen in zahlreichen Bundesstaaten für sich und kam so auf mehr Wahlmänner im Electoral College. Zu einem für Samstag geplanten Frauen-Protestmarsch gegen Trump in Washington werden Hunderttausende erwartet. Um die Sicherheit bei der Amtseinführung zu garantieren, waren laut Behördenangaben etwa 28.000 Polizisten in der Hauptstadt im Einsatz.

Steinmeier nennt Trump einen „Hassprediger“

Die Präsidentschaft Donald Trumps bedeutet eine Belastung für die transatlantischen Beziehungen. Das liegt nicht nur daran, dass Trump im Wahlkampf das Verteidigungsbündnis Nato in Frage gestellt hat. Viele deutsche Politiker haben mit Entsetzen den Wahlkampf Trumps beobachtet, in dem dieser auf Minderheiten schimpfte und den Bau einer Mau an der Grenze zu Mexiko ankündigte. Der deutsche Außenminister und baldige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte Trump im Wahlkampf einen „Hassprediger“. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), sagte wenige Tage vor dem Wahlsieg Trumps: „Er hat sich als völlig ungeeignet dafür gezeigt, das mächtigste und wichtigste politische Amt der Welt auszuüben.“

Für ein erstes Treffen zwischen Trump und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt es nach Angaben der Bundesregierung bislang keine Pläne.