Berlin - Die große Koalition in Berlin verschiebt das geplante Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration. Wie die Unionsfraktion mitteilte, gab es am Freitag eine Verständigung auf einen Gesetzentwurf, mit dem die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot um zwei Jahre verlängert wird. Unionsfraktionsvize Gitta Connemann erklärte am Samstag: „Ohne ein Handeln des Gesetzgebers würden gerade die kleinen Höfe ab dem kommenden Jahr vor einem unlösbaren Problem stehen.“

Fehlende Alternative

Es gebe derzeit keine marktgängige oder praktikable Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration, so Connemann. Erforderliche Tierarzneimittel seien noch nicht zugelassen, alternative Verfahren würden bislang von Handel und Verbrauchern nicht akzeptiert. „Ein Verbot ohne Alternative würde viele Sauenhalter zur Aufgabe zwingen.“ Die Folge wäre die Abwanderung der Ferkelerzeugung ins Ausland. Die zweijährige Übergangsfrist müsse jetzt genutzt werden, um tierschutzgerechte Alternativen für die Praxis zu erarbeiten.

Nach bisherigem Stand ist es ab dem 1. Januar 2019 verboten, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Die Koalitionsspitzen hatten sich bereits Anfang Oktober auf eine längere Übergangsfrist geeinigt.

Die Grünen-Abgeordnete Renate Künast kritisierte auf Twitter, die Koalition weiche das Tierschutzgesetz auf. Die GroKo sei der „Alptraum“ der Tiere.

Der Bauernverband hatte auch angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter für eine Verschiebung geworben und argumentiert, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. (dpa)