Rom - Neun Menschen sind allein in diesem Herbst in Italien schon durch Überschwemmungen, Erdrutsche und Schlammlawinen getötet worden. Zuletzt starb am Donnerstag in Crema südöstlich von Mailand ein 36-jähriger städtischer Angestellter. Er hatte nach starkem Regen den Ablauf eines Bewässerungskanals öffnen wollen und wurde von den Wassermassen mitgerissen. In den Tagen zuvor war unter anderem ein Rentnerehepaar in Ligurien aus den Trümmern seines schlammbedeckten Hauses geborgen worden. Vor allem über Nord- und Mittelitalien ziehen seit Wochen ständig neue Schlechtwetterfronten mit extrem heftigen Regenfällen. Von „bombe d’aqua“, Wasserbomben, ist die Rede. Besonders betroffen waren bisher Genua und Carrara an den Berghängen der ligurischen Küste. Aber auch in Regionen wie Piemont, Toskana, Venetien, Sizilien ruft der Zivilschutz immer wieder Alarm aus.

Hausgemachtes Problem

Katastrophen mit Toten und Millionenschäden gibt es in Italien in den Regenmonaten Oktober und November regelmäßig und seit vielen Jahren schon. Schuld sind Fehlplanungen, Schlampereien am Bau, fehlende Kontrollen, fehlende Prävention. Flussläufe wurden einbetoniert, Wohnhäuser und Betriebe in Flussbetten und an Bächen errichtet, immer mehr Äcker, Felder und Grünflächen bebaut. Die rasante Versiegelung hat das Überschwemmungs- und Erdrutschrisiko stark erhöht. 82 Prozent der italienischen Gemeinden haben so genannte hydrogeologische Risikogebiete. Fünf Millionen Italiener leben in Gefahrenzonen. Dennoch gibt es kaum Notfall- und Evakuierungspläne und nur wenige Sicherungsmaßnahmen.

Das liegt nicht etwa daran, dass Geld fehlt. Milliardenbeträge, die eigentlich in die Stabilisierung ihres Territoriums fließen sollten, haben Städte für ganz andere Zwecke ausgegeben, wie ein von der Regierung eingesetzter Sonderbeauftragter kürzlich ermittelt hat.