Paris - Er ist einer der letzten politischen Schwergewichte, die sich nach dem Wahlerfolg des Front National zu Wort melden. Und auch wenn sich der Chef der französischen Sozialisten (PS) ein paar Stunden Zeit genommen hat, um zu verarbeiten, dass die Rechtspopulisten des Front National am Sonntag in der ersten Regionalwahlrunde mit 27,96 Prozent zur stärksten politischen Kraft avanciert sind und die Genossen mit 23,33 Prozent hinter den rechtsbürgerlichen Republikanern (26,89 Prozent) Rang drei belegen: Jean-Christophe Cambadélis wirkt noch immer geschockt. Er spricht abgehackt, legt nach zwei, drei Wörtern jeweils eine Pause ein.

Sarkozy kooperationsunwillig

Der Kern der Botschaft wird gleichwohl deutlich: Schadensbegrenzung ist angesagt. Zu einer „republikanischen Front“ gegen rechts ruft der PS-Vorsitzende auf, zu einem Bündnis mit den konservativen Republikanern. Da deren Chef Nicolas Sarkozy zuvor klargestellt hat, dass er nicht daran denkt, sich in der zweiten Wahlrunde am kommenden Wochenende mit den Sozialisten zu verbünden, gemeinsame Kandidatenlisten zu erstellen oder Spitzenkandidaten zu empfehlen, zugunsten der PS in der zweiten Runde gar nicht erst anzutreten, heißt dies: Die Sozialisten sollen es alleine richten und zugunsten der Republikaner Verzicht üben.

In den drei der 13 französischen Regionen, in denen der Front beste Chancen hat, am Sonntag nach der Macht zu greifen, sollen die Spitzenkandidaten der Sozialisten das Handtuch werfen, auf dass die PS-Wähler zu den Konservativen überlaufen und so das Schlimmste verhindern.

In der von industriellem Niedergang gezeichneten nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, wo die FN-Chefin am Sonntag mit knapp 41 Prozent einen Erdrutschsieg erzielt hat, leitet der unterlegene Sozialist am Montag folgsam den Rückzug ein. In Südfrankreich, wo sich Le Pens Nichte Marion Maréchal Le Pen in der von starker Zuwanderung geprägten Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mit derselben Ausbeute durchsetzen konnte, tut der sozialistische Spitzenkandidat desgleichen.

Im Elsass freilich regt sich Widerstand. Der dort in die Pflicht genommene Jean-Pierre Masseret beharrt am Montag darauf, am nächsten Sonntag erneut ins Rennen zu gehen. Und es ist ja auch ein hoher Preis, den die Genossen zahlen sollen.

Unterschiedliche Strategien

Cambadélis quittiert die fehlende Kooperationsbereitschaft Sarkozys mit düsteren Drohungen. Die Geschichte werde streng über diejenigen richten, die lieber Rechtsextreme an der Macht sähen als die Linke, sagt der PS-Chef. Den aufmüpfigen Elsässer lässt Cambadélis wissen: „Er wird die Entscheidung des Parteivorstands respektieren müssen, Punkt.“

Sarkozy hat gute Gründe, die ihm gereichte Hand auszuschlagen. Jede Absprache mit den Sozialisten liefert dem Front National und seiner Chefin Marine Le Pen beste Wahlkampfmunition. Rechtsbürgerliche wie Sozialisten seien alle gleich verkommen, allein am Erhalt ihrer Macht interessiert, pflegt die sie zu verkünden. Als die Republikaner noch als UMP firmierten pflegte Le Pen deren angebliche Nähe zur PS zu illustrieren, indem sie ihnen das Kürzel UMPS überstülpte. Was nicht heißt, dass Sarkozy den Rückzug sozialistischer Spitzenkandidaten nicht mit Erleichterung zur Kenntnis nähme.

Ansonsten können er und Cambadélis nur hoffen, dass ihnen in der zweiten Wahlrunde gelingt, was in der ersten gescheitert war. Cambadélis setzt darauf, dass sich die Wähler der in der ersten Runde mit eigenen Listen angetretenen Grünen und Linksradikalen in der zweiten auf die Seite der Sozialisten schlagen. Den Sieg in vier bis sieben Regionen könnte das bringen. Die Konservativen, die am Sonntag bereits gemeinsam mit den Zentrumsparteien an den Start gegangen waren, wollen versuchen, die am Sonntag daheim Gebliebenen zu mobilisieren. Die Hälfte der Stimmberechtigten war das immerhin oder wie es Sarkozy formulierte: 20 Millionen potenzielle Wähler.