Köln - Es war kein idealer Zeitpunkt für eine Pressekonferenz zur Sicherheit der Touristen in Ägypten. Die Zeitungen meldeten ausgerechnet an diesem Tag, eine Autobombe habe am Abend zuvor zwei Polizisten im Zentrum von Kairo getötet. Doch die Meldung vermag den berufsnotorischen Optimismus von Hisham Zaazou, Ägyptens Minister für Tourismus, und damit zuständig für die vormals wichtigste Einnahmequelle des Landes, nur kurz zu trüben, aber nicht zu bremsen: „Seit drei Jahren wurde in Ägypten kein Tourist verletzt oder getötet“, erklärt er auf der Tourismusmesse „Travel Expo“ in Köln. Gewiss, Ägypten befinde sich in einem Zustand relativer Stabilität. „Doch das Ziel der Anschläge von Extremisten sind Polizei und Militär, Urlauber sind sicher in Ägypten.“

„Reihe von Einzelkrisen“

Den Selbstmordanschlag im Februar 2014 auf einen Bus mit koreanischen Touristen nahe der Sinai-Stadt Taba, bei dem drei Touristen und der ägyptische Busfahrer starben sowie 17 Gäste verletzt wurden, hatte der Minister da offenbar vergessen. Sämtliche europäischen Staaten hatten danach ihre Reisewarnungen für Ägypten deutlich verschärft, zeitweise auch von Ferien im dem populären Badeort Sharm el-Sheikh abgeraten. Doch das war nur eine von einer ganzen „Reihe von Einzelkrisen“, wie Samih Sawiris, Ägyptens größter Touristik-Unternehmer, erklärte: „Wir haben nicht eine Saison verloren, wir haben ganze Jahre verloren“. Und es werde dauern, diese erzeugten Ängste wieder zu beruhigen.

Gibt es nun also Ferieninseln in Ägypten, umgeben von Ländern, in denen der Terror und Anarchie herrschen? Die Irrungen und Wirrungen der arabischen Welt, der gewaltsame Widerstand der Mursi-Sympathisanten halten Ägypten in einem Zustand nervöser Wachsamkeit. Dennoch steigen die Besucherzahlen wieder, und Hisham Zaazou verbreitete vor der in Köln versammelten Branche von Airlines, Hotellerie und Reiseagenturen den erwartbaren Optimismus: Bereits 2015 werde die Urlauberzahl von vor der Revolution 2011 – 14,4 Millionen – wieder erreicht. Wenn es denn ruhig bleibt. Der Tourismus, so Samih Sawiris, sei von den USA und den westlichen Ländern ja auch als politisches Druckmittel gegen die Mursi-Regierung eingesetzt worden. Wenn auf Israel eine Rakete abgefeuert werde, habe er jedenfalls noch keine Reiseteilwarnung erlebt. Der deutsche Urlauber sei ein „unpolitischer Konsument“, hieß es auf dem begleitenden Messe-Kongress. Negativschlagzeilen könnten ihn stets nur für kurze Zeit davon abhalten, sich in seiner Wunschdestination zu erholen.

Noch liegen die Besucherzahlen aus Deutschland weit hinter den Erwartungen, wofür auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes verantwortlich sei, so der Ägyptische Botschafter in Deutschland, Mohamed Higazy. „Das liegt auch an den leider sehr pauschalen Formulierungen. Ja, wir haben im Nordosten des Sinais Probleme, aber doch nicht auf der gesamten Halbinsel. Das ist leider sehr unspezifisch formuliert und schreckt den ein oder anderen ab, obwohl es dazu keinen Anlass gibt“, so Higazy. Hurghada sei sicher, Sharm el-Sheikh und Luxor. Man sei wegen der Reiseteilwarnung im Gespräch mit dem Auswärtigen Amt. Von dort heißt es: „Wir beobachten die Lage in Ägypten stets sehr aufmerksam. Die Reise- und Sicherheitshinweise passen wir gegebenenfalls entsprechend an.“ „Bei Reisen nach Ägypten einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer wird generell zu Vorsicht geraten“, heißt es in der Reiseteilwarnung des Auswärtigen Amtes. Vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet wird gewarnt, insbesondere vor dem Badeort Taba, von Überlandfahrten mit Bussen wird „dringend“ abgeraten.

„Dies gilt auch für Transfers nach Dahab und Nuweiba sowie für Ausflüge zum Katharinenkloster.“ Dem, widerspricht Zaazou: der Busreiseverkehr über den Sinai sei sicher, von Polizei und Militär überwacht, so dass Kurzreisetrips von den Rote-Meer-Stränden zu den Pyramiden kein Risiko darstellten. „Unsere Prioritäten sind, das Vertrauen in Ägypten als Reisedestination wiederherzustellen“, so Zaazou. Die aktuellen Reisehinweise seien überzogen.

Im Dezember werde der Präsident al Sissi den formalen Prozess für Parlamentswahlen einleiten. „Das wird der Welt signalisieren, dass Ägypten seinen politischen Fahrplan zuverlässig einhält.“ Überall sei Aufbruch: die Regierung plane 3000 Kilometer neue Straßen, neue Landwirtschaftsflächen, die Investitionen in neue Energietechniken. Und auch der Fremdenverkehrssektor wolle neue Räume erschließen: Die westliche Wüste mit ihren Klöstern solle mit moderner touristischer Infrastruktur erschlossen werden, das östliche Nildelta werde bald die Pilgerstationen auf der Route der Heiligen Familie auf ihrer „Flucht nach Ägypten“ bereisbar machen.

Im Argen liegt nach wie vor vieles auf dem Pyramidenplateau in Giza. Polizisten lassen Besucher gegen ein Trinkgeld zum Erinnerungsfoto auf die Pyramiden klettern. Schlepper, selbsternannte angebliche Sicherheitsleute oder Kamelvermieter belästigen die wenigen noch vorhandenen Touristen auf Schritt und Tritt, obwohl das Gelände schon seit Jahren mit einem Zaun umschlossen ist. Damit soll jetzt Schluss sein: neue Toilettenanlagen und neue Guides sollen das Erlebnis stressfrei machen.

Samih Sawiris sieht die derzeitige politische Entwicklung unter dem Ex-General al Sissi gelassen: Seit 6000 Jahren werde Ägypten autokratisch regiert, die ersten Pharaonen seien bereits Generäle gewesen. „Dass ein Land nach 6000 Jahren innerhalb von sechs Monaten europäische Regierungsformen pflegt, diese Vorstellung ist meiner Ansicht nach geradezu albern.“