Nach einer mehrwöchigen Sperrung des bekannten Strandes Bondi Beach in Sydney durfte man dort nun wieder schwimmen und surfen. Doch auf Touristen aus dem Ausland wird Australien noch länger warten müssen. 
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BerlinWer gehofft hatte, den geplanten Urlaub im Ausland bald doch noch antreten zu können, wurde am Mittwoch enttäuscht. Mindestens bis zum 14. Juni hat die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung für Touristen wegen der Coronavirus-Pandemie verlängert. Das Bundeskabinett nahm einen entsprechenden Vorschlag des Auswärtigen Amts an. Nachdem für viele Deutsche schon der Osterurlaub ins Wasser gefallen ist, sieht es damit in einzelnen Bundesländern auch für die Pfingstferien düster aus. Die Schulferien im Sommer sind noch nicht betroffen; sie beginnen ab dem 22. Juni.

Für die gesamte Reisebranche bedeutet das einen weiteren schweren Rückschlag. Thierry Breton, EU-Kommissar für den Binnenmarkt, rechnet in den kommenden Monaten für Europa mit Einnahmeverlusten von 50 Prozent für Hotels und Restaurants, 70 Prozent für Reiseveranstalter und 90 Prozent für Kreuzfahrt- und Fluggesellschaften. „Wir werden noch nie dagewesene Mittel benötigen, um diese Krise zu überwinden“, sagte Breton am Montag bei der Konferenz der EU-Tourismusminister.

Es bedürfe eines „neuen Marshall-Plans“, um den Weg zu einem europäischen Aufschwung zu ebnen. Bei der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, kurz FBB, stellt man sich auf eine lang andauernde Flaute im internationalen Reiseverkehr ein.

Grafik: Sabine Hecher

„Die meisten Luftfahrtexperten erwarten, dass die Nachfrage frühestens 2021 wieder ansteigt, dann nur langsam. Pessimisten erwarten dies für 2023“, hieß es bei der FBB. Der Flugverkehr ist weltweit fast zum Erliegen gekommen – und das wirke sich auch in Tegel und Schönefeld aus. „Wichtigste Zielländer der FBB können nicht mehr angeflogen werden. Airlines bleiben am Boden und verkleinern bereits ihre Flotten“, so das Unternehmen. Während der ersten drei Aprilwochen wurden auf den beiden Flughäfen insgesamt rund 17.000 Passagiere abgefertigt – im Vergleich zu zwei Millionen im selben Zeitraum des Vorjahres.

Trotz der Aussicht auf verlorene Sommerferien ist die Akzeptanz der verhängten Maßnahmen in der Bevölkerung groß. Fast jeder zweite Deutsche lehnt eine Öffnung der Grenzen für den Sommerurlaub im europäischen Ausland ab. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa sind 48 Prozent dafür, die wegen der Corona-Pandemie erlassene Ausreisesperre für Touristen auch im Sommer aufrecht zu erhalten.

Der Gewinner der Reisebeschränkungen, so sollte man meinen, könnte der deutsche Inlandstourismus sein. Schließlich ist zu erwarten, dass sich unter den gegebenen Umständen mehr Menschen für Urlaub im eigenen Land entscheiden. Ohnehin ist Deutschland seit Jahren des Deutschen liebstes Reiseziel.

 Tourismusverband fordert bundesweiten Fahrplan

Norbert Kunz, Geschäftsführer beim Deutschen Tourismusverband (DTV), ist allerdings nur vorsichtig optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass der Deutschlandtourismus wieder hochgefahren wird“, sagte Kunz der Berliner Zeitung. „Aber dafür brauchen wir endlich einen klaren Fahrplan, wann und unter welchen Bedingungen das möglich ist.“

Der Branchenverband hat deshalb einen Regelkatalog vorgelegt, der eine Lockerung für den deutschen Tourismus möglich machen könnte. Zu den Vorschlägen gehören etwa Hygienekonzepte nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Gerade auf Campingplätzen und in Ferienhäusern seien entsprechende Vorsichtsmaßnahmen schnell umsetzbar und somit Urlaub möglich. „Was fehlt, ist eine vom Bund gesteuerte Perspektive.“

Zwar hatte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), am Montag in Aussicht gestellt, „Heimaturlaub“ werde in diesem Jahr mit Einschränkungen möglich sein. Doch die Umsetzung ist nach wie vor unklar.

Der DTV fordert eine Taskforce des Bundes, damit die Regeln möglichst bundesweit umgesetzt werden könnten. Sonst, warnt Geschäftsführer Kunz, sei die Pleitewelle kaum noch abzuwenden. „Gerade für strukturschwache Regionen und Flächenländer wie etwa Brandenburg macht der Tourismus einen ganz wichtigen Teil der Wirtschaftskraft aus.“

Ohnehin rechnet man beim DTV damit, dass es Jahre dauern werde, bis sich die Branche von den Folgen der Krise erholt habe – auch wenn Urlaub innerhalb Deutschlands bald wieder möglich sein sollte. „Viele Menschen haben durch die Corona-Krise finanzielle Einbußen, etwa, weil sie in Kurzarbeit geschickt wurden“, sagte Kunz. „Wer weiß, ob sie sich dieses Jahr überhaupt einen Urlaub leisten können?“ Dazu kommt: 2019 reisten 80 Millionen ausländische Touristen nach Deutschland, besonders in große Städte wie Berlin, Hamburg oder München. „Diese Gäste“, sagte Kunz, „fehlen uns in diesem Jahr in jedem Fall.“