Berlin - Achtung Altersarmut, rufen die einen. Vorsicht: Beitragsanstieg und Überforderung der jungen Generation, halten die anderen dagegen. Fast fühlt man sich über ein Jahrzehnt zurückversetzt, als Ängste vor dem Niedergang des Sozialstaates und der deutschen Wirtschaft die Debatten prägten. Dabei hat die deutsche Politik Beachtliches geleistet, um das Rentensystem zukunftsfest für die Zeit mit mehr alten Menschen zu machen.

Allerdings beging sie bei den verschiedenen Reformen einen schweren Fehler, der bis heute nicht korrigiert ist. Sie konzentrierte ihre Bemühungen nicht auf die Gruppen, die es wirklich nötig haben. Das beste beziehungsweise das schlechteste Beispiel ist die Riester-Rente. Die Förderung der privaten Altersvorsorge sollte die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente ausgleichen.

Fairer Ausgleich zwischen Generationen ist möglich

Doch leider nutzen ganz überwiegend die besser Verdienenden die Subventionen aus Steuermitteln, während die mit geringen Einkommen darauf verzichten. Auch die große Koalition von heute begünstigt mit der erweiterten Mütterrente oder der Rente mit 63 viele, die ohnehin einen Lebensabend in Wohlstand erwarten oder schon genießen.

Wer aber alle über 65 Jahre beglücken möchte, muss zwangsläufig die Jüngeren noch stärker zur Kasse bitten. Ein fairer Ausgleich zwischen den Generationen ist sozialverträglich möglich. Dafür muss sich die Rentenpolitik auf die Menschen fokussieren, die tatsächlich arm sind oder von Armut bedroht werden.