Nach und nach kaufte Brückner Land hinzu, und 1992 gründete er schließlich Namibrand. Heute zählt sein Unternehmen sieben Gesellschafter und ist mit einer Fläche doppelt so groß wie Berlin eines der größten privaten Naturreservate im südlichen Afrika. 2 000 Kilometer Farmzäune sind verschwunden, Hunderte über das ganze Gelände verstreute Dieselfässer der Vorbesitzer wurden entsorgt. Die Tiere bewegen sich frei über das von der Natur zurückeroberte Land. Von den Dünenspitzen am Rande des Reservats lässt sich deutlich der Unterschied zwischen den natürlichen, mehrjährigen Dünengräsern innerhalb des Schutzgebiets und den überweideten Flächen außerhalb der Grenzzäune erkennen.

Um aber die Natur auf Dauer zu bewahren, glaubt Brückners Sohn Stephan, muss sie für die Menschen vor Ort auch von Wert sein und Gewinn bringen. „Land in Afrika ist ein begehrtes Gut. Es reicht nicht, ein riesiges Stück Land zu haben, nur weil es Spaß macht, oder weil man die Natur schützen will. Das Land muss etwas erwirtschaften, es muss Arbeitsplätze schaffen, es muss ein ökonomischer Nutzen entstehen.“

Brückner junior hat dafür 1995 die Wolwedans Collection gegründet, vier luxuriöse Zelt-Lodges, die den Park auch wirtschaftlich nachhaltig machen. Die hauseigene Desert Academy bildet junge Namibier zu Hotelfachpersonal aus, und das ebenfalls von Brückner gegründete Namibian Institute of Culinary Education ist die renommierteste Küchenschule im ganzen Land. Dazu kommt ein Naturbildungszentrum, das vorrangig Schulklassen in einwöchigen Kursen im Umgang mit ihrer Umwelt und den gerade im Wüstenland Namibia so raren natürlichen Brennstoff- und Wasser-Ressourcen vertraut macht – für arme Schulen kostenlos, mitten im Luxus-Naturreservat.

Geld bewegt die Welt

Das Geld bringen die Touristen mit, von denen die meisten aus Deutschland, Frankreich oder den Benelux-Ländern kommen. Für die perfekte Ruhe der Wüste und einzigartige Begegnungen mit tanzenden Straußen, jagenden Hyänen oder lauernden Leoparden zahlen die Gäste in den exklusiven Camps pro Nacht mindestens 250 Euro. „No money, no honey“, sagt Stephan Brückner, „wenn du kein Geld verdienst, kannst du nichts bewegen.“
Umgerechnet eine Million Euro hat sein Lodge-Betrieb bisher für das ihn umgebende, aber strukturell unabhängige Naturreservat erwirtschaftet. Eine Dividende haben die Teilhaber in all den Jahren noch nie gesehen, und wenn es nach dem 44-Jährigen geht, werden sie auch so bald keine sehen. „Wenn man ins Gras beißt mit einem Riesenvermögen“, sagt Stephan Brückner, „dann hinterlässt man kein Erbe.“