Das Schloss Rheinsberg in Rheinsberg.
Foto: Volker Hohlfeld/Imago

RheinsbergBei einer Autofahrt durchs Brandenburgische künden die Felder links und rechts vom allmählichen Ende des Sommers. Auf den Spargelfeldern schießt grünes Kraut in die Höhe, und die verbliebenen Sonnenblumen richten ihre Blütenköpfe nach der großen Lichtquelle aus. Die Getreidefelder sind abgemäht und die Strohballen liegen gewürfelt oder gerollt im Abendlicht, als handele es sich dabei um ein erhabenes Kunstwerk.

Ein paar Kilometer weiter ist man im nordbrandenburgischen Rheinsberg noch immer dabei, die sozialen Verwerfungen der vergangenen Wochen aufzuarbeiten. Am 23. Juli hatten sich dort 15 bis 20 Männer eine Prügelei geliefert. Mutmaßlich mit unentschiedenem Ausgang, denn am darauffolgenden Tag versammelten sich noch einmal etwa 100 Menschen in einem Wohngebiet, um die am Vorabend scheinbar nicht vollends verausgabten Kräfte zur Schau zu stellen. Die Stimmung sei „äußerst aggressiv“ gewesen, so eine Polizeisprecherin.

Der rechtsextremen NPD schien es nicht zu behagen, dass schließlich wieder Ruhe eingekehrt war. Für den 28. Juli rief sie zu einer Demonstration auf, zu der sie etwa 50 ihrer Anhänger zur Missfallensbekundung gegen die Ausschreitungen versammelte, an denen mutmaßlich Deutsche, Tschetschenen und Polen beteiligt waren. Andere sprachen gar von einer Gruppe der rechtsextremen türkischen Grauen Wölfe. Eine Gegendemonstration wiederum richtete sich gegen die Bemühung der NPD, aus der unübersichtlichen Lage politisches Kapital zu schlagen.

Die Ermittlungen dauern an, die Gerüchteküche brodelt. Die Erklärungsversuche reichen von der Annahme einer harmlosen Petitesse bis hin zum Verdacht auf kriminelle Machenschaften als Ursache für den plötzlich aufkeimenden Streit. Das Rheinsberger Idyll hat hässliche Flecken bekommen, und während angesehene Bürger die Nähe zur NPD nicht scheuten, schien der Bürgermeister (Freie Wähler) sichtlich bemüht, Abstand auch von den Gegendemonstranten zu halten.