Richard Grenell, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland.
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BerlinDer Botschafter der USA in Deutschland, Richard Grenell, hat seinen endgültigen Abschied aus der Bundesrepublik angekündigt. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Schon am Tag seiner Ankunft in Berlin vor zwei Jahren provozierte er sein Gastland mit der über Twitter verbreiteten Aufforderung, deutsche Unternehmen sollten ihre Geschäfte mit dem Iran sofort einstellen. Der frühere Journalist und Kommentator bei Donald Trumps Lieblings-TV-Sender Fox verstand Diplomatie nicht als die Kunst, Konflikte möglichst diskret beizulegen, sondern als Mittel, die Ideen seines Präsidenten hinauszuposaunen.

Das hat dann nicht so gut funktioniert, weil Richard Grenell nach dem anfänglichen Interesse der politisch-diplomatischen Gesellschaft in Berlin an diesem schillernden Vogel bald ziemlich isoliert war. Ein gutes Beispiel war das Essen, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum 95. Geburtstag von Henry Kissinger gab. Viele Menschen mit illustren Namen kamen, um diesem großen alten Mann der amerikanischen Außenpolitik die Ehre zu erweisen. Der Botschafter seines Landes, Richard Grenell, war nicht eingeladen.  

Es gab Zeiten, da galt das gute deutsch-amerikanische Verhältnis als eine Art zweites Grundgesetz der Bundesrepublik. Das ist lange vorbei, und an die Stelle dieser Überhöhung ist ein Tiefpunkt der transatlantischen Beziehungen getreten. Das gilt für die politischen Beziehungen, aber auch für das Verhältnis der beiden Gesellschaften – jedenfalls aus deutscher Sicht. Selbst in den Zeiten schärfster Proteste gegen die Vereinigten Staaten und ihren Krieg in Vietnam waren die USA dennoch gerade für die demonstrierende junge Generation gleichzeitig ein Sehnsuchtsort, dessen Musik, Mode und Alltagskultur sie verehrte. Und trotz der Kritik an der aktuellen Politik war das Versprechen von Freiheit, Demokratie und Wohlstand eineine amerikanische Verheißung mit größter Anziehungskraft. 

Auf der anderen Seite konnte man als Deutscher noch bis vor wenigen Jahren nicht durch die USA reisen, ohne immer wieder von Menschen angesprochen zu werden, die beste Erinnerungen an Germany hatten. Hunderttausende hier über die Jahrzehnte stationierte Soldaten haben nach ihrer Rückkehr in die USA ein solides Fundament deutsch-amerikanischer Freundschaft gebildet.

Der trübselige Zustand der deutsch-amerikanischen Beziehungen hat viel mit einer desolaten Nato zu tun.

Davon ist nicht mehr viel übrig. Während in den USA die Deutschlandfreunde alt geworden sind, haben die meisten Deutschen nicht nur ihre Bewunderung, sondern überhaupt das Interesse für die USA verloren. Man macht sich vielleicht noch lustig über den Rüpel im Weißen Haus, ansonsten ist es ziemlich egal, was da los ist.

Viele sagen nun, man müsse eben die finsteren Zeiten des Donald Trump aussitzen. Doch das ist eine Täuschung. Der trübselige Zustand der transatlantischen Beziehungen hängt wesentlich mit dem desolaten Zustand der Nato zusammen. Sie diente einst als verlängerter Arm der USA bei der Wahrung ihrer und der westeuropäischen Interessen gegenüber der Sowjetunion. Mit deren Untergang haben sich die Bedingungen der Außen- und Sicherheitspolitik grundlegend geändert – ohne dass sich die Nato ebenso gewandelt hätte.

Ungeachtet der unberechenbar desinteressierten Haltung Trumps müssten die Europäer sich des Bündnisses annehmen. Ihr Ziel müsste es sein, die Nato zu einer sicherheitspolitischen Organisation Europas unter Beteiligung, aber nicht mehr der Führung, der USA umzubauen. Nicht die Abschreckung, sondern die politische Deeskalation der gefährlichen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten müsste ihre Hauptaufgabe sein. Dazu gehörte die Entwicklung stabiler Beziehungen zu Russland und China.

Deutschland könnte aufgrund seiner besonderen historischen Beziehungen zu Russland und zu den USA wichtige Impulse liefern. Davon ist freilich nichts zu sehen. Anders als früher gibt es im Bundestag keine engagierten und einflussreichen Transatlantiker mehr, die einem so uninspirierten Außenminister wie Heiko Maas Druck machen könnten.