Washington - Es ist ein ganz besonderes Begrüßungsgeschenk, das der US-Präsident für den Besuch der deutschen Regierungschefin am Freitag vorbereitet: Donald Trump will Angela Merkel mitteilen, dass der seit 15 Monaten verwaiste amerikanische Botschafterposten in Berlin nun endlich besetzt wird. Doch besondere Freude dürfte die kontroverse Personalie bei der Kanzlerin kaum auslösen.

Bereits im vorigen Juli hatte sich Trump für Richard Grenell, einen Politikberater und ehemaligen Sprecher der amerikanischen UN-Botschaft, als künftigen Top-Emissär in Deutschland entschieden. Doch das seit September laufende Nominierungsverfahren wurde von den Demokraten im Senat mächtig in die Länge gezogen. Nun hat der republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell das Ende der Debatte erzwungen. Ab Donnerstag kann im Senat über den Vorschlag abgestimmt werden. Die Bestätigung Grenells ist nach Informationen des Newsletters Axios so gut wie sicher.

Ein Besuch in Mar-a-Lago

„Die Demokraten sind Blockierer. Das ist alles, was sie können“, hatte sich Trump beim Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron beklagt. „Ich warte auf sehr gute Leute wie den Botschafter für Deutschland. Er ist immer noch nicht bestätigt.“ Da hatte Trump im Hintergrund bereits die Weichen für den parlamentarischen Durchmarsch gestellt. Nach einem Bericht der New York Times hatte Grenell den Präsidenten am Sonnabend im Wochenenddomizil in Mar-a-Lago besucht und sich über die lange Verzögerung seiner Berufung beklagt. Kurz darauf tat Trump per Twitter seine Verärgerung kund. Hinter den Kulissen wurde McConnell offenbar zum Handeln aufgefordert.

Der künftige US-Botschafter ist eine höchst kontroverse Figur. Als bekennender Schwuler und außenpolitischer Hardliner polarisiert der evangelikale Missionarssohn über alle politischen Lager hinweg. Auf heftige Kritik stoßen vor allem die oftmals aggressiven Kommentare des Trump-Fans über unliebsame Medien sowie seine abfälligen Äußerungen über Frauen. So hatte er sich unter anderem über Michelle Obama und Hillary Clinton auf beleidigende Weise lustig gemacht. Das war der Grund, weshalb die Demokraten die Bestätigung mit Verfahrenstricks in die Länge gezogen haben.

Mit dem neuen Sicherheitsberater John Bolton besitzt Grenell jedoch einen wichtigen politischen Weggefährten und Fürsprecher. Durch eine besondere Verfahrensklausel kann die Mehrheitsfraktion im Senat die weitere Debatte über eine Nominierung auf 30 Stunden begrenzen. In dieser Zeit dürfen keine anderen Themen behandelt werden. Danach ist der Weg zur Abstimmung mit einfacher Mehrheit frei.