Frankfurt am Main - „Das Haus ist nicht mehr das Haus“, hatte Irmgard Braun-Lübcke vor einigen Wochen im Frankfurter Oberlandesgericht gesagt. Und nach einem Moment des Atemholens fügte die Witwe des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hinzu: „Das Leben ist nicht mehr das Leben.“ Mit diesen Sätzen muss angefangen werden, wenn über ein kaltblütiges Verbrechen und die Bestrafung des Täters berichtet werden soll. Denn nicht an den Mörder sollte zuvorderst gedacht werden, einen Neonazi, der einen Menschen aus purem Hass mit einem Kopfschuss aus dem Hinterhalt tötete. Sondern an das Opfer und seine trauernde Familie, die noch in dem Haus lebt, wo der Ehemann und Vater ermordet worden ist.

Walter Lübcke, ein beliebter, volksnaher Politiker, der kurz vor seiner Pensionierung stand, wurde  am 1. Juni 2019 kurz vor Mitternacht auf der Terrasse seines Wohnhauses erschossen. Er saß in seinem Lieblingsstuhl, rauchte eine Zigarette und suchte auf dem Tablet zu später Stunde nach einem Urlaubsziel. Eine kleine Reise wollte er buchen für seine Frau und sich, ein paar Tage raus aus dem Alltag, irgendwohin. Dass in diesem Moment sein Mörder aus dem Dunkel an ihn herantrat, mit erhobener Waffe, konnte er nicht ahnen. Aus anderthalb Meter Entfernung feuerte Stephan Ernst dem 65-jährigen Christdemokraten eine Kugel quer durch den Kopf. Es war der erste rechtsextremistisch motivierte Mord an einem Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik.

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