Richtfest für neue Synagoge: Woidke ruft zu Toleranz auf

Die Richtkrone ist da - in etwa eineinhalb Jahren soll die neue Synagoge in Potsdam eröffnet werden. Die Brandenburger Landesregierung ruft die Bürger dazu a...

Blick auf den Rohbau des Synagogenzentrums (M) in der Schloßstraße.
Blick auf den Rohbau des Synagogenzentrums (M) in der Schloßstraße.Soeren Stache/dpa

Potsdam-Der Rohbau der Potsdamer Synagoge steht. Rund eineinhalb Jahre vor der geplanten Eröffnung feierte die Brandenburger Landesregierung mit jüdischen Gemeinden das Richtfest. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rief alle Bürgerinnen und Bürger am Freitag dazu auf, für eine tolerante und vielfältige Gesellschaft einzutreten. „Wir stehen heute und auch in der Zukunft in der besonderen Pflicht und Verantwortung für das Wiederentstehen jüdischer Gotteshäuser gemeinsam Sorge zu tragen“, sagte Woidke. Die wachsende Zahl antisemitischer Straftaten sei eine Schande. „Es ist auch ein dringender Auftrag an uns, nicht nur festzustellen, nicht nur zu bedauern, sondern sich dem Hass aktiv entgegenzustellen.“

Kulturministerin Manja Schüle (SPD) sagte, das Ziel sei, mit der Synagoge der jüdischen Gemeinschaft endlich wieder „ein Zuhause in unserer Mitte“ zu geben, „das wir ihnen einst genommen haben“. Es gehe darum, das vibrierende jüdische Leben in Brandenburg und Deutschland in seiner ganzen Vielfalt sichtbar zu machen und zu befördern. Es sei aber die Sache der Potsdamer Jüdinnen und Juden, wie sie das Haus mit Leben füllten. Finanzministerin Katrin Lange (SPD) sagte, der Neubau solle im März 2024 übergeben werden.

Die Planung für den Bau geht Jahrzehnte zurück. Sie sorgte jahrelang für Streit unter den verschiedenen jüdischen Gemeinden in Potsdam. Woidke sagte, er hoffe, dass die Synagoge den jüdischen Gemeinden nicht nur ein schützendes Dach biete, sondern sie auch eine. Nach der Eröffnung soll die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) zunächst für drei Jahre den Betrieb übernehmen. Der Präsident der ZWST, Abraham Lehrer, strebt ein friedliches Miteinander der jüdischen Gemeinden an. „Eine für alle Seiten befriedigende Lösung für die Gottesdienstzeiten wird gefunden werden.“ Der Vorsitzende der Potsdamer Synagogengemeinde, Ud Joffe, zeigt sich bisher skeptisch, wie sich verschiedene jüdische Gemeinden einigen wollen.

Der frühere Potsdamer Oberbürgermeister und spätere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) setzte sich nach eigenen Angaben bereits vor 25 Jahren für eine neue Synagoge in Potsdam ein. „Dass jetzt die Synagoge steht, ist ein Freudentag für mich“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Das Land finanziert den Bau im Herzen Potsdams mit knapp 16 Millionen Euro. Nach Angaben des Regierungschefs ist es eine absolute Ausnahme, dass das Land ein Gotteshaus baue, die jüdische Gemeinschaft und die Deutschen teilten eine aufs Engste verwobene Geschichte. Das alte jüdische Gotteshaus in Potsdam wurde im Jahr 1938 unter den Nationalsozialisten zerstört. Eine kleine Synagoge gibt es in Potsdam bereits seit dem vergangenen Jahr wieder auf dem Campus der Universität am Neuen Palais.