Robert Habeck zieht sich von Twitter und Facebook zurück. Er reagiert damit auch nach eigener Darstellung in erster Linie auf eigene Fehler und das Klima vor allem bei Twitter und lediglich in zweiter Linie auf den Hack seines Facebook-Accounts. Der Rückzug ist das gute Recht des Grünen-Vorsitzenden.

Allerdings gibt es da ein Problem: Dieser Rückzug kommt aus derselben Quelle, aus der auch die vorangegangenen Fehler kamen. Es steht keine echte Einsicht dahinter.

Der 49-Jährige hat in zwei Landtagswahlkämpfen – in Bayern und Thüringen – den Eindruck erweckt, als beginne die Demokratie erst, wenn die Grünen Erfolg hätten. Beide Male hat er dies sehr bald als missglückt eingestanden und nun sogar gesagt: „Ich bin von mir selbst entsetzt.“ Dabei tat Habeck hier wie dort so, als habe es sich um Malheurs unter Zeitdruck gehandelt, statt zum Kern der Dinge vorzudringen.

Auch wenn niemand in den Kopf des Grünen-Chefs reingucken kann, so scheint der Kern der Dinge nämlich zu sein, dass in der innersten Herzkammer dieses Mannes eben doch jenes Körnchen Arroganz verborgen ist, das den Seinen vorgeworfen wird – selbst wenn er seit Amtsübernahme das Gegenteil verkörpert. 

Habeck will sich absetzen

Beide Videos legen eine moralische Überhöhung offen – im Namen der Partei. Und die Konsequenz, die Habeck jetzt zieht, tut das erst recht. Sie demonstriert, wie er sich wahrnimmt und wahrgenommen werden möchte: als durch und durch integer und nicht so wie all die anderen Politiker (und User). Ein bisschen ist das auch sein Kapital.

Abgesehen davon, dass die Kritik an Twitter ihre Berechtigung hat, drängt sich deshalb vor allem ein Eindruck auf: In der Größe seiner Demut will sich Habeck von niemandem übertreffen lassen. Tatsächlich demütig wäre gewesen, zu sagen, ich bin nicht besser als andere – und mache weiter.