Robert Habeck bei Maybrit Illner: „Ich finde Ihre Fragen völlig irrelevant“

Die ZDF-Talkfrau wollte Robert Habeck herausfordern. Doch er erklärte das Hin und Her in der Energiepolitik stoisch mit der Suche nach der besten Lösung.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) spricht beim Handelskongress 2022.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) spricht beim Handelskongress 2022.dpa/Bernd von Jutrczenka

Eine „sehr besondere Sendung in sehr besonderen Zeiten“ hatte Maybrit Illner versprochen. „Grüner Wirtschaftsminister trifft auf Vorstandschef der Blauen Bank“, so hatte Christian Sievers, Moderator des „heute journal“ im ZDF, den nachfolgenden Polit-Talk angekündigt. Nun sorgte schon allein der neuerliche Gang von Robert Habeck in eine solche Sendung für gespannte Erwartungen. Denn bei seinem letzten Auftritt Anfang September bei ARD-Kollegin Sandra Maischberger hatte der Bundeswirtschaftsminister mit seiner lapidaren Äußerung für Empörung gesorgt, er rechne nicht mit einer Insolvenzwelle, könne sich aber vorstellen, dass bestimmte Branchen mal eine Weile nicht produzierten. Als Beispiel nannte er Blumenläden, Bioläden und Bäckereien, weil diese Läden besondere Probleme mit der Kaufzurückhaltung hätten. Natürlich kochten die Emotionen hoch. Nüchterne Experten aber verwiesen darauf, dass es tatsächlich Unterschiede zwischen Betriebspausen und Insolvenz gäbe. Auf seine Äußerung bei Maischberger angesprochen, erklärte Robert Habeck etwas umständlich das Problem, dass sich hier Maßnahmen zur Rezessionsbekämpfung mit den Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung widersprächen: Gelder gegen die Rezession heizten die Inflation weiter an. Habeck wehrte sich energisch gegen den wiederholten Vorwurf, er habe keine Strategie. Natürlich habe die Regierung einen Plan, das Zusammenspiel zwischen Regierung und Wirtschaft habe sich bewährt. „Wir kämpfen uns sehr erfolgreich durch die Krise!“ Dabei müsse es möglich sein, Wege zu korrigieren, um neue bessere zu finden.

Mit norddeutscher Sturheit verteidigte Habeck selbst die umstrittene, später gekippte Gasumlage und entgegnete Maybrit Illner auf ihr durchaus penetrantes Nachhaken schließlich barsch: „Ich finde Ihre Fragen völlig irrelevant, das interessiert mich überhaupt nicht mehr!“ Und auf die Frage, wann denn endlich der Dezemberabschlag komme, beschied Habeck kurz: „Im Dezember, deshalb heißt er ja so.“ Provokant, aber wenig sinnvoll war auch Illners Frage, ob er die Forderung der Metaller nach acht Prozent mehr Lohn zu hoch finde – natürlich muss jeder Politiker hier auf die Tarifautonomie verweisen. Dass der Bundeswirtschaftsminister überhaupt den Gang in eine Talkrunde angetreten hatte, lag wohl vor allem daran, dass er noch mal öffentlich kundtun wollte, wie einfach die Gaspreis- und Strompreisbremse wirken werde. Auch kleine und mittlere Unternehmen müssten gar nichts tun – alles werde zwischen Energieversorgern und Regierung geregelt.

Der zweite Gast, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, war kein Widerpart für Robert Habeck, obwohl Christian Sewing als Präsidiumsmitglied im Wirtschaftsrat der CDU einer Oppositionspartei angehört. Doch zwischen den beiden Männer, die fast gleich alt sind und die beide 1989 ihr Abitur gemacht hatten, gab es viel mehr Übereinkünfte als Kontroversen: Sewing attestierte der Ampel-Regierung, sie mache einen sehr ordentlichen Job und verwies mehrfach darauf, dass Fehler und Irrwege in Krisenzeiten unvermeidlich seien – man müsste sie nur benennen und Schlussfolgerungen ziehen. Der Chefbanker gab sogar positive Aussichten: Die Inflation werde im kommenden Jahr sinken, schon 2024 könne die Wirtschaft wieder wachsen. Von einem Abgesang auf die Industriegesellschaft wollte Sewing nichts wissen – sie brauche allerdings eine klare Perspektive. Maybritt Illner gelang es immer weniger, in die Phalanx der beiden Männer einzudringen. Und ehe sie Sewing dessen hohe Gehälter und Boni vorhalten konnte, war die Sendezeit auch schon vorbei.