Nürburging - Die Uhr zeigte 21 Uhr am Freitagabend als die deutsche Punkband „Broilers“ plötzlich aufhörte zu spielen. „Rock am Ring“-Veranstalter Marek Lieberberg betrat die Hauptbühne, ergriff das Mikrofon und unterbrach Deutschlands größtes Festival aufgrund einer terroristischen Gefahrenlage. „Fakt ist, dass wir von der Polizei angewiesen worden sind, auf Terrorgefahr auszusetzen“, sagte Lieberberg.

Wie er vor den Medienvertretern in einer spontan einberufenen Pressekonferenz sagte, sei im Umfeld der Helfer eine Person aufgefallen, deren Identität nicht klar festzustellen gewesen sei. Das sei der Grund, das Festival abzubrechen. „Ich könnte heulen“, so Lieberberg. Die Fans nahmen die Ansage des Veranstalters mit wenigen Pfiffen und viel Verständnis auf und machten sich bereits um 21.05 Uhr auf den Weg zu ihren Campingplätzen. Die Zufahrtsstraßen vom und zum Nürburgring sind von der Polizei gesperrt worden.

Entscheidung soll um 11 Uhr verkündet werden

Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren, ließ die Polizei am späten Abend wissen. Ermittler haben die Bühne am Abend noch mit einem Spürhund abgesucht. Der rheinland-pfälzische Innenministers Roger Lewentz (SPD) sagte: „Es gibt ein paar Punkte, auf die sich konzentriert wird.“ Das Festivalgelände werde genau untersucht. Am frühen Samstagmorgen wurden die Durchsuchungen des Geländes fortgesetzt, wie Sprecher der Polizei Koblenz und des rheinland-pfälzischen Innenministeriums mitteilten. 

Lewentz nannte am Freitagabend mit Verweis auf die Ermittlungen keine Details. Er habe Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) informiert. Für Samstag sei eine Lageeinschätzung geplant, sagte Lewentz. „Morgen werden wir entscheiden, wie es weitergeht.“ Er will die Öffentlichkeit um 11 Uhr am Veranstaltungsort Nürburgring informieren.

Veranstalter versuchen Rammstein-Auftritt zu verschieben

„Meine Gefühle gehen heute nach Manchester“ sagte Lieberberg noch wenige Stunden zuvor auf der Bühne. Nun hoffe er, dass die Gedanken und Gefühle der Fans und Menschen in Richtung Nürburgring gehen. Die Unterbrechung des Festivals sei eine Präventivmaßnahme der Polizei mit der er sich als Veranstalter habe einverstanden zeigen müssen. In einem Nebensatz sagte er, dass er das Festival am liebsten fortgesetzt hätte, doch er nicht derjenige sein wolle, dem man nachher – im Falle eines tatsächlichen Terroranschlags – Vorwürfe mache.

Lieberberg: „Wir hoffen und wünschen uns, dass wir das Festival morgen wieder aufnehmen können.“ Er hoffe weiter, dass die Behörden das Gelände innerhalb der kommenden 14 Stunden – bis Rock am Ring offiziell in den zweiten Tag starten soll ­– für sicher erklären. „Ich persönlich denke, dass das gesamte Campinggelände sicher ist“, so der Veranstalter.

Während Lieberberg die Pressekonferenz abhielt und sich den Fragen der Journalisten stellte, verhandelte sein Sohn mit der Band Rammstein – dem Headliner des ersten Abends. „Wir versuchen alles, damit die Band vielleicht am Samstag auftreten kann“, so Lieberberg: „Sie können mir glauben, wie beschissen wie ich mich fühle.“ (mit dpa)

Besorgte Eltern und Besucher können das Bürgertelefon unter der Nummer 0800-6565651 erreichen. Dort gibt die Polizei Koblenz aktuelle Informationen zur Lage.