Nürburg - Nach der Unterbrechung des Musikfestivals „Rock am Ring“ wegen eines Terroralarms hat Veranstalter Marek Lieberberg Sicherheitsbehörden und Zivilgesellschaft massiv kritisiert. Diese hätten es nicht vermocht, dem Terror und seinen Folgen Einhalt zu gebieten, sagte er wütend auf einer spontan einberufenen Pressekonferenz am Freitagabend. „Es muss jetzt Schluss sein - with: This is not my islam and this is not my shit (Das ist nicht mein Islam und nicht mein Scheiß)“, sagte Lieberberg sichtlich erregt vor Journalisten.

„Jetzt ist die Situation, wo jeder einzelne sich dagegen artikulieren muss. Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen diese Gewalttäter richten. Ich hab' bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben: Was macht ihr da eigentlich?“ Er verlangte, dass „etwas geschieht, dass Gefährder beispielsweise auch festgenommen werden“ und sagte: „Wir zahlen den Preis für den Skandal um Amri.“

In Richtung der Polizei sagte er: „Ich hoffe, dass sie mit uns und unseren Fans ebenso umgehen wie bei Fußballspielen, wo am nächsten Tag wieder gespielt wird.“ Damit bezog er sich auf den Anschlag auf den Bus von Borussia Dortmund, deren Team am nächsten Tag in der Champions League antrat. „Warum ist das beim Fußball möglich? Warum ist das bei anderen Situationen möglich? Warum sind wir die Prügelknaben für die Situation?“

Seit Samstagvormittag läuft das Festival wieder. „Nach intensiven Durchsuchungen des gesamten Festivalgeländes haben sich die Verdachtsmomente für eine akute Gefährdungslage nicht erhärtet“, teilten die Veranstalter mit. Die Polizei habe „grünes Licht für eine Wiederaufnahme der Aufbauarbeiten auf den Bühnen“ gegeben.

Im Zusammenhang mit dem Terroralarm nahm die Polizei drei Personen vorläufig fest. Sie werden den Ermittlern zufolge der hessischen Salafistenszene zugerechnet. Inzwischen habe sich die Verdachtslage deutlich relativiert, teilte die Polizei am Samstag mit. Die Personen seien am Samstagmorgen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. (dpa, red)