Eigentlich war das zweite TV-Duell nicht schlecht verlaufen für Mitt Romney. Der Republikaner gab sich kämpferisch und ließ sich von Barack Obama nicht aus der Ruhe bringen. Die Kommentatoren sahen ihn auf Augenhöhe mit seinem smarten Gegner. Eigentlich. Wäre da nicht diese seltsame Formulierung mit dem "Aktenordner voller Frauen" ("binder full of women") gewesen. Angesprochen auf die Gleichstellung von Frauen hatte Romney vor laufenden Kameras erzählt, wie er als Gouverneur von Massachusetts nach weiblichen Bewerbern für sein Kabinett fahndete - und sich dafür „Ordner voller Frauen“ bringen ließ.

"No binder, no cry"

Im Internet häufen sich seither die hämischen Bemerkungen über den "Lord of the three rings" - den Herrn der drei Ringe, eine Anspielung auf die drei Ringe eines Aktenordners. Vor allem Frauen machen sich lustig. "Hey Mädchen, komm in meinen Ordner", twittert @mamelamw, "no binder, no cry", amüsiert sich @alikigreeky. Inzwischen gibt es bereits Aufrufe, die besten Binder-Witze zu wählen. Im Netzwerk Facebook finden sich unter dem Stichwort "binders full of women" bereits mehrere Gruppen mit Tausenden Mitgliedern und Hundertausenden Fans. Dort und in anderen sozialen Netzwerken werden unzählige Fotomontagen verbreitet, die sich über Romneys Spruch lustig machen.

Eine Steilvorlage für Amtsinhaber Obama, der bereits mehrfach bewiesen hat, dass er Internetphänomene besser für sich nutzen kann als sein Konkurrent. So auch diesmal. „Ich muss Ihnen sagen, dass wir keine Ordner sammeln müssen, um kompetente, motivierte und talentierte junge Frauen zu finden, die bereit sind zu lernen und in diesen Fächern zu unterrichten“, sagte Obama am Mittwoch bei einem Wahlkampfauftritt an einer Universität im Bundesstaat Iowa über sein Engagement für Frauenrechte und über Pläne, mehr Professoren für Mathematik und ähnliche Fächer einzustellen.

Und US-Vizepräsident Joe Biden zog nach: „Angesichts der Vorstellung, dass er herumfragen musste, wo eine qualifizierte Frau ist, hätte er einfach zu mir nach Hause kommen sollen. Er hätte keinen Ordner gebraucht“, sagte Biden. (mit afp)