MagdeburgKurz vor Ende der Beweisaufnahme ist der Prozess gegen den Attentäter von Halle noch einmal ins Stocken geraten. Grund dafür ist unter anderem ein Befangenheitsantrag des Angeklagten gegen den psychiatrischen Gutachter Norbert Leygraf. Zwar wurde der Antrag vom Gericht abgelehnt, sodass Leygraf am Dienstag wie geplant sein am vorangegangenen Verhandlungstag erstattetes Gutachten zur Schuldfähigkeit von Stephan B. ergänzen konnte. Dafür aber beantragte die Verteidigung nun ein weiteres neurologisches Gutachten eines zweiten Sachverständigen. Über diesen Antrag muss noch entschieden werden.

Anlass für den Antrag der Verteidiger ist eine Aussage des Angeklagten in einem früheren Gespräch mit dem Gutachter Leygraf in der Untersuchungshaft. Der Psychiater soll diese Aussage aus Sicht der Verteidigung bei der Erstellung seines Gutachtens ignoriert haben. B. hatte damals zu Leygraf gesagt, ihm sei nach dem Scheitern seines Eindringens in die Hallesche Synagoge alles außer Kontrolle geraten, er habe plötzlich „rot gesehen“, das heißt, alles um ihn herum sei von einem orangefarbenen Farbton unterlegt gewesen. In dieser Ausnahmesituation habe er auch die tödlichen Schüsse auf die zufällig vorbeikommende Passantin Jana Lange abgefeuert. B. betonte dabei, die Tötung der Frau sei nicht von ihm geplant und komplett sinnlos gewesen.

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