Köln - Als Alexander Gerst am Samstagmittag mit gewohnt raumgreifendem Schritt das Foyer des Europäischen Astronautenzentrums (AEC) in Köln-Wahnheide betrat, waren ihm die Strapazen von 197 Tagen im All, auf der Internationalen Raumstation ISS, und die ebenso anstrengende Prozedur der Rückreise in einer Sojus-Kapsel nicht anzumerken. „Astro-Alex“ wirkte fit und entspannt, lediglich seine Blässe wies darauf hin, dass er mehr als sechs Monate ohne Sonnenlicht auskommen musste.

„Tatsächlich“, sagte der deutsche Astronaut der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, „genieße ich es sehr, nachts den Wind zu fühlen – auf der ISS war mir gar nicht aufgefallen, dass ich das so vermisse.“ Zweieinhalb Stunden Sportprogramm habe er an diesem Morgen auch schon hinter sich, berichtete Gerst, und begründete seine überraschende Fitness mit persönlichen Voraussetzungen.

Anpassungsfähiger Körper

„Mein Körper passt sich sehr schnell neuen Umgebungen an, das war immer schon so“, sagte der 42-Jährige Vulkanologe und Geophysiker, der schon auf der Erde in entlegenen Gebieten geforscht hatte.“ Es gebe wohl auch so etwas wie »muscle memory«, als er im Juni zur ISS zurückgekehrt sei, habe das Schweben auf Anhieb geklappt. Bereits 2014 hatte Gerst sechs Monate auf der Orbitalstation gelebt und gearbeitet.

Das erste breite Grinsen des Kölner Astronauten galt einem potenziellen Nachfolger: In der ersten Reihe saß der vierjährige Joshua Tauras aus Bottrop, angetan mit Papier-Astronautenanzug und Helm aus Pappmaché, der es als „Astro_Mini“ bei Twitter schon zu einiger Berühmtheit gebracht hat.

Seine dringlichste Frage an den großen Astronauten: „Hast Du schon Brokkoli gegessen?“ Nein, erklärte ihm Alexander Gerst, weil es Brokkoli auf der Raumstation gebe, er habe seit seiner Rückkehr viel Salat gegessen.

Nachdrücklich stellte Gerst bei dieser ersten Pressekonferenz nach seiner Rückkehr am Donnerstag klar, dass er zwar das prominente deutsche Gesicht der Raumfahrt ist, das Unterfangen Internationale Raumstation aber eine Teamleistung von Tausenden Menschen und vielen Nationen sei – „das würde ein einzelnes Land nie hinbekommen, und deshalb sind wir so eng verbunden.“

Wichtig ist ihm auch, von den Forschungsprojekten zu berichten, die er und seine Astronauten-Kollegen auf der ISS betreut haben, wie Proteinkristalle zu züchten, um Parkinson besser behandeln zu können, oder zu erforschen, wie man Krebszellen die Blutzufuhr abschneiden könnte. Mehr als 200 Experimente hat Gerst in seinen sechs Monaten in der erdnahen Umlaufbahn betreut, 70 davon waren europäische Forschungsvorhaben.

Viel Spaß mit Crewkollegen

Aber er hat auch spürbar viel Spaß mit seinen Crewkollegen gehabt. Wir fragten ihn, wie die Beziehung sich fortsetze zu den internationalen Kollegen, die mit ihm in der Astronauten-WG gelebt haben. Gerst: „Das ist schon etwas Besonderes, ich glaube, wenn man diese Erfahrung geteilt hat, die ja sonst keiner kennt, bleibt die Freundschaft ein Leben lang bestehen.“

Etwas ganz Besonderes war auch die „Botschaft an meine Enkel“, die Astro-Alex kurz vor seiner Rückkehr zur Erde verbreiten ließ. Natürlich wurde er gleich gefragt, ob er denn demnächst Vater werde, was er verneinte. „Es war mir wichtig, das aufzuzeichnen, das hatte ich mir eigentlich schon bei meiner letzten Mission so überlegt. Es hat also keinen konkreten Hintergrund, sondern eine Idee, die am Ende der Mission jetzt konkret geworden ist. Es liegt mir sehr am Herzen, dass es bei dem, was wir dort oben machen, auch um künftige Generationen geht.“

Dafür, dass er keine Weihnachtsgeschenke habe, beantwortete Gerst eine Reporterfrage, habe er ja „eine wirklich gute Ausrede“. Sein eigenes Geschenk bekam der Astronaut schon auf der ISS: Die Nachricht, dass die Teams am Boden die Nach-Flug-Untersuchungen so umorganisiert haben, dass er für zwei Tage nach Hause und mit der Familie feiern darf. „Darüber freue ich mich wirklich sehr“, sagte Astro-Alex strahlend.