Moskau brennt. Nicht so wie zu Napoleons Zeiten. Aber alle paar Nächte gehen Gebäude in Flammen auf. Mal eine Forschungseinrichtung des Verteidigungsministeriums, in der an Raketen geforscht wird, mal eine Schulbuchdruckerei, in der Unterrichtsmaterialien entstehen, aus denen jedes Wort über die ukrainische Nation getilgt wurde.

Etwas haben die Brände mit der Feuersbrunst von damals jedoch offenbar gemein: Russen sollen sie gelegt haben, wie zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als man den französischen Eroberern nach der Schlacht von Borodino kein intaktes Moskau überlassen wollte.

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Das brennende Schulbuchlager in Moskau. Wer legte das Feuer?

Dass es sich bei den Brandlegern und Saboteuren um Russen handeln könnte, suggeriert Alexey Arestovich, einer der wichtigsten Berater des ukrainischen Präsidialamts.

Er sprach kürzlich offen über die „Legion Freiheit für Russland“, die sich aus russischen Staatsbürgern zusammensetzt, von denen viele aus den Streitkräften kommen sollen. Sie kämpfen für ein Russland ohne Putin. „Leute in ganz Russland erheben sich zum Kampf“, sagte der Selenskyj-Berater in einem Interview auf dem Youtube-Kanal „Feigin Live“. Und die Russen würden nicht nur dort aktiv, sondern auch in den Donbass kommen. „Es handelt sich um sehr ernsthafte Leute“, also keine Amateure, so Arestovich.

Der Name der Legion ist an die Einheiten der „Internationalen Legion der Territorialverteidigung der Ukraine“ angelehnt, die Präsident Selenskyj am 27. Februar ins Leben gerufen hatte. In ihr können ausländische Staatsbürger für die Verteidigung der Ukraine dienen.

Als Erkennungszeichen haben die Kämpfer der „Legion Freiheit für Russland“ eine Variante der russischen Flagge gewählt, die ohne den roten Streifen auskommt, und ihn durch einen weißen ersetzt. Das soll eine Anspielung auf den Blutdurst der russischen Regierung sein, dem die Legion sich widersetzen will.

In den sozialen Medien finden sich eine ganze Reihe von Kanälen mit Videos vermummter Kämpfer, die Abzeichen in diesen Farben tragen. Sie zeigen Männer, wie sie in Formation antreten und in Busse steigen, die angeblich in den Donbass fahren, wo die Legion ebenfalls an Kämpfen beteiligt sein soll.

Die Videos sind einigermaßen professionell produziert. Auf dem Instagram-Kanal zeigen sie sich auch mit Graffiti eines L-Symbols (womöglich eine Anspielung auf das Z-Symbol der russischen Armee). Das wollen sie in Russland auf Häuser und Züge gesprüht haben.

Nun sind derartige Darstellungen in Kiew-nahen Medien von ukrainischen Politikern mit Vorsicht zu genießen. Die Regierung in dem überfallenen Land hat jedes Interesse, der Welt und vor allem der russischen Bevölkerung zu suggerieren, dass es innerhalb der Föderation eine organisierte Wiederstandbewegung gibt.

Doch dass es innerhalb Russlands gar keinen Widerstand gegen den Krieg geben soll, ist ja auch nicht plausibel. In der Russischen Föderation leben immerhin mehr als drei Millionen Ukrainer. Selbst wenn die Zustimmung zur russischen Invasion bei 80 bis 90 Prozent liegt, fehlen immer noch 10 bis 20 Prozent. Außerdem darf man Umfragen, bei denen Russen Angst haben müssen sich gegen die „Spezialoperation“ zu stellen, auch nicht ganz für bare Münze nehmen. Die Aktivität einer solchen Legion würde zumindest die andauernd ausbrechenden Feuer, die kollabierenden Staudämme und Brücken sowie die vielen zerstörten Bahngleise erklären.

Der Selenskyj-Berater Arestovich betonte übrigens, dass die Mitglieder der Legion ein teils noch größeres Risiko eingehen als die ukrainischen Kämpfer, deren Familien ja in vielen Fällen in die EU fliehen konnten. Für Russen kommt das kaum infrage. „Entweder ihr fallt auf dem Schlachtfeld, weil ihr in die gefährlichsten Kampfzonen wollt. Oder ihr werdet euer Leben lang verfolgt. Ihr riskiert auch das Leben eurer Angehörigen“, habe er ihnen erklärt.

Dennoch sollen sie sich für den Kampf gegen Putin entschieden haben. Die Ukraine unterstützt die Aktionen, aber Arestovich macht dennoch deutlich: „Wir kontrollieren sie nicht.“