Der Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergei Naryschkin, habe laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax gesagt, Polen plane, die militärpolitische Kontrolle über seine ehemaligen „historischen Besitztümer“ in der Ukraine zu übernehmen (also die Westukraine). Ihm zufolge diskutierten Warschau und Washington derzeit über Möglichkeiten, „Friedenstruppen“ aus einigen Nato-Staaten in die Westukraine zu schicken. Die entsprechende Erklärung wurde auch auf der SWR-Website veröffentlicht.

Zuvor hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow Polen vor solchen Plänen gewarnt. In den russischen Medien wird gemutmaßt, dass Polen zusammen mit seinen Nachbarn den westlichen Teil der Ukraine bereits theoretisch „geteilt“ habe.

Der polnische Regierungsmitarbeiter Stanislaw Zaryn hat auf die Nachricht am Donnerstagabend reagiert und sie als Falschnachricht und russische Propaganda deklariert. Einen Bericht von Reuters kommentierte Zaryn mit den Worten: „Reuters, ihr teilt russischen Desinformations-Mist ohne Kommentar. Die Lügen über angebliche Pläne Polens, die Westukraine anzugreifen, werden seit mehreren Jahren wiederholt. Bitte macht Eure Hausaufgaben und aktualisiert Euer Stück.“ Dann sagte er weiter: „Das Ziel der russischen Propaganda ist es, Misstrauen zwischen der Ukraine und Polen zu schüren, die Polnisch-ukrainische-Kooperation zu untergraben, den Westen als aggressive Einheit gegenüber Russland und Polen als Kriegstreiber darzustellen, der eine Bedrohung für die gesamte Nato und Europa darstellt.“

Eine derartige Erklärung Naryschkins zum jetzigen Zeitpunkt entspreche den Wunschvorstellungen der russischen Führung, kommentierte eine sachkundige Person mit Kontakten zur russischen Regierung in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung. Diese Wunschvorstellungen würden auf dem Ziel Moskaus beruhen, die Abspaltung der Westukraine zu befördern. Das würde Moskau strategisch befürworten. Das Land wäre sogar bereit, einen Teil der Ukraine im Stile von Katarina der Großen an den „Erzfeind“ Polen abzugeben.

Putin hatte diese Bereitschaft wohl bereits in seiner Kriegsrede vom 24. Februar signalisiert. „Unsere Politik basiert auf der Entscheidungsfreiheit für jeden, seine eigene Zukunft und die Zukunft seiner Kinder selbst zu bestimmen. Und wir halten es für wichtig, dass dieses Recht – das Wahlrecht – von allen Völkern genutzt werden kann, die auf dem Territorium der heutigen Ukraine leben, von jedem, der es möchte“, hieß es.