Berlin - Die Kriegsbeute kam in Feldpostpaketen. Immer sorgfältig verpackt, sagt Hans-Erich Frey. Fast jeden Tag erreichte ein Päckchen seine Familie in Neu-Isenburg, einer Kleinstadt in der Nähe von Frankfurt am Main. Hans-Erich Frey war damals sieben Jahre alt. Die Nachbarn wunderten sich über die vielen Lieferungen, aber er habe es ganz toll gefunden, so viel Post zu bekommen, sagt er. Absender war sein Vater, der in der Kriegsverwaltung der Wehrmacht die Stadt Woronesch in der Sowjetunion besetzt hielt. In den Päckchen waren Bücher. Mal drei Stück, mal vier.

Es war der Sommer 1942. Deutschland hatte ein Jahr zuvor die Sowjetunion überfallen. Die Front verlief nun knapp hinter Woronesch, das etwa 500 Kilometer südlich von Moskau liegt. 212 Tage hielt sich die Wehrmacht in der Stadt. Fast jeder zehnte Einwohner von Woronesch kam in dieser Zeit ums Leben oder wurde zur Zwangsarbeit verschleppt. Bis der Krieg gegen Deutschland gewonnen war, verloren 27 Millionen Sowjetbürger ihr Leben.

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