Washington - „Nein“, antwortete Donald Trump auf die Frage eines Reporters: „Ich bin überhaupt nicht besorgt.“ Ein bisschen klang es wie das Pfeifen im Walde. Zu Beginn seines zweiten Amtsjahres rückt nämlich die Untersuchung der Russland-Affäre immer näher an den Präsidenten heran, und nach Einschätzung amerikanischer Beobachter zeichnet sich ab, in welche Richtung Sonderermittler Robert Mueller zielt: Er recherchiert mit Hochdruck, ob Trump die Justiz behindert hat.

Am Dienstag wurde bekannt, dass Mueller als erstes Kabinettsmitglied Justizminister Jeff Sessions mehrere Stunden lang befragt hat. Zuvor war bereits der von Trump gefeuerte FBI-Chef James Comey vernommen worden. Laut „Washington Post“ plant Mueller nun, den Präsidenten persönlich zu den Hintergründen für die Entlassungen Comeys und des Sicherheitsberaters Michael Flynn anzuhören.

Damit kündigt sich nicht nur möglicherweise die erste öffentliche Befragung eines amtierenden US-Präsidenten seit dem spektakulären Auftritt von Bill Clinton in der Lewinsky-Affäre 1998 an. Vor allem scheint sich der Schwerpunkt der Untersuchung von den möglichen Absprachen zwischen dem Trump-Wahlkampfteam und Moskau auf den späteren Versuch zu verlagern, die Affäre zu vertuschen. Sollte Trump eine Behinderung der Justiz nachgewiesen werden, könnte dies ein Amtsenthebungsverfahren begründen.

Trump gab zumindest eine unglückliche Figur ab

Tatsächlich hat Trump durch impulsive Reaktionen und mangelndes Verständnis für die Gewaltenteilung zumindest eine unglückliche Figur abgegeben. Erst ernannte er den schillernden Michael Flynn zu seinem Sicherheitsberater, dann drängte er ihn zum Rücktritt, weil er Absprachen mit dem russischen Botschafter in Washington verschwiegen hatte. Anschließend drängte er Comey nach dessen Darstellung, die Ermittlungen gegen Flynn fallenzulassen. Der FBI-Chef weigerte sich.

Im Mai wurde er dann von Trump wegen „dieser Russland-Sache“ gefeuert. Session, der kurz darauf eingestehen musste, selbst Kontakte nach Moskau verheimlicht zu haben, war in diese Aktion eingeweiht. Dass sich der Justizminister dann für befangen erklärte und die Zuständigkeit für die Russland-Affäre abgab, verzieh ihm Trump nicht. Der Präsident ist offenbar der Meinung, dass Justizministerium und die Bundespolizei FBI ihn persönlich verteidigen müssten. Sessions soll den neuen FBI-Chef Christopher Wray massiv aufgefordert haben, seine Behörde von Comey-Vertrauten zu reinigen. Wray soll daraufhin mit dem Rücktritt gedroht haben.