Washington - Ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hängt die Russland-Affäre als dunkler Schatten über ihm: Wegen des Verhaltens von Justizminister Jeff Sessions in der Affäre distanzierte sich Trump in einem Zeitungsinterview mit deutlichen Worten von dem Minister.

Zudem wurde am Mittwoch (Ortszeit) eine Befragung vom Präsidentensohn Donald Trump junior und dem früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort im US-Senat angekündigt. Trump nutzte ein Interview mit der „New York Times“ für seine scharfe Kritik an Sessions' Verhalten in der Russland-Affäre.

„Wie kann man einen Job übernehmen, wenn man sich selbst für befangen erklärt“, sagte der US-Präsident. Wenn Sessions dies schon vor einer Ernennung zum Justizminister getan hätte, „hätte ich gesagt, 'Danke, Jeff, aber ich werde Dich nicht nehmen'“, fügte Trump hinzu. Sessions' Verhalten sei „extrem unfair - und das ist ein mildes Wort - gegenüber dem Präsidenten“.

Sessions hatte sich vergangenes Jahr als damaliger Senator und Wahlkampfberater Trumps mehrmals mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen. Dass er dies während seines Nominierungsverfahrens im Senat verschwieg, erregte Argwohn. Erst nach der Enthüllung dieser Treffen durch die Presse bestätigte sie der inzwischen ins Amt eingesetzte Minister. Zudem erklärte er formell seinen Rückzug aus den Russland-Ermittlungen des ihm unterstehenden FBI.

Treuester Unterstützer von Trump

Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter massivem Druck. In der Affäre ermitteln derzeit außer der Bundespolizei FBI mehrere Kongressausschüsse und der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Sie gehen dem Verdacht möglicher Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der Führung in Moskau während des Präsidentschaftswahlkampfes im vergangenen Jahr nach. Sessions war im Wahlkampf einer der treuesten Unterstützer von Trump.

Sein Auftritt vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats überzeugte aber auch Trump nicht. Der Justizminister habe dort „schlechte Antworten“ gegeben. „Er antwortete auf einfache Fragen und seine Antworten hätten einfach sein müssen, aber das waren sie nicht“, sagte Trump der „New York Times“. Bei der Anhörung Mitte Juni hatte Sessions Vorwürfe, er habe während des US-Wahlkampfes heimliche Absprachen mit Russland getroffen, empört zurückgewiesen. Weil er sich nicht zum Inhalt seiner Gespräche mit Trump äußern wollte, warfen die Demokraten ihm vor, die Untersuchung der Affäre durch den Kongress zu behindern.

Kommenden Mittwoch sollen nun Trumps ältester Sohn und sein früherer Wahlkampfleiter Manafort vor dem Justizausschuss des Senats aussagen, wie das Gremium mitteilte. Dabei soll es um das Treffen von Trump junior und Manafort mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja im Juni 2016 gehen. Der Sohn des US-Präsidenten hatte zugegeben, sich in der Erwartung mit der russischen Anwältin getroffen zu haben, belastendes Material über die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu erhalten.

Auch der Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, Jared Kushner, hatte an dem Treffen teilgenommen. Er soll bereits am Montag hinter verschlossenen Türen vom Geheimdienstausschuss des Senats befragt werden, wie sein Anwalt dem Sender CNN sagte.

Das Weiße Haus und der Kreml kritisierten derweil die Reaktionen auf das Bekanntwerden eines weiteren Gesprächs zwischen Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin beim G20-Gipfel in Hamburg Anfang Juli. „Ein Mal mehr hat das Russland-Fieber die Medien gepackt“ und sie hätten eine Geschichte erfinden wollen, „die es einfach nicht gibt“, sagte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders.

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte der russischen Nachrichtenagentur Tass, Berichte über ein Geheimtreffen seien „absolut absurd“. Das Weiße Haus hatte zuvor mitgeteilt, Trump und Putin hätten nach einer kurzen Begrüßung zu Gipfelbeginn sowie einem gut zweistündigen Gespräch sich beim späteren Abendessen erneut ausgetauscht. (AFP)