Russland ist nach den Worten seines Chefunterhändlers Wladimir Medinsky zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Ukraine bereit. „Wir für unseren Teil sind bereit, den Dialog fortzusetzen“, sagte Medinsky am Sonntag im Interview mit dem belarussischen Staatsfernsehen. Der Chefunterhändler sieht den Ball im Feld der Ukraine. Schließlich habe die Ukraine die Gespräche ausgesetzt. „Russland hat nie Verhandlungen abgelehnt“, sagte Medinsky.

Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Unterhändlern hatten nach dem Beginn der russischen Militäraktion in der Ukraine am 24. Februar zunächst regelmäßig stattgefunden – persönlich oder per Videokonferenz. Die Außenminister beider Länder hatten sich im März zu Gesprächen in der Türkei getroffen, die ergebnislos blieben. Es folgte ein Treffen von Delegationen in Istanbul, das ebenfalls keine Fortschritte brachte.

Ukraine fordert Abzug russischer Truppen aus besetzten Gebieten

Am Dienstag sagte der ukrainische Chefunterhändler und Präsidentenberater Mychailo Podoljak, die Gespräche mit Moskau seien „ausgesetzt“. Podoljak sagte weiter, dass die russische Seite nicht an ernsthaften Verhandlungen interessiert sei. Die Gespräche sollten nur bei konkreten Vorschlägen wieder aufgenommen werden, hatte der Unterhändler Kiews gesagt. Eine gesichtswahrende Lösung für Kremlchef Wladimir Putin lehne man dort demnach ab.

Am Donnerstag hatte er nachgelegt und erklärt, dass ein Waffenstillstand unmöglich sei, ohne einen Anzug der russischen Truppen aus den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten. Kiew wolle kein neues Minsker Abkommen, weil dann der „Krieg in ein paar Jahren von Neuem beginne“. Weiter schrieb Podoljak: „Bis Russland bereit ist, die besetzten Gebiete vollständig zu befreien, besteht unser Verhandlungsteam aus Waffen, Sanktionen und Geld.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geißelte am Samstag den anhaltenden russischen Beschuss – und betonte die Bedeutung der Diplomatie für ein Ende des Krieges. Nach dem Fall Mariupols hat der russische Beschuss des Donbass zugenommen. Vor allem aus der Gegend um die Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk wurde starker Beschuss gemeldet.