Nicht erst in ein paar Monaten, sondern schon kommende Woche könnte sich das sicherheitspolitische Schicksal von Finnland und Schweden entscheiden. Wie finnische Medien berichten, steht ein Nato-Beitrittsgesuch unmittelbar bevor.

Der Grund für den Wunsch nach einer Nato-Mitgliedschaft nach 70 Jahren Neutralität trotz Westbindung der beiden Länder ist der Überfall Russlands auf die Ukraine. Vor allem darüber werden die schwedische und die finnische Ministerpräsidentin, Magdalena Andersson und Sanna Marin, bei ihrem Besuch bei Kanzler Scholz und dem Bundeskabinett sprechen. Er hatte sie zur zweitägigen Klausur der Bundesregierung im brandenburgischen Meseberg eingeladen. Schweden und Finnland sind EU-Mitglieder, jedoch nicht Teil der Nato.

In Skandinavien werden Mehrheiten für Nato-Beitritt immer größer

So soll es in den Gesprächen zwischen der Bundesregierung und den skandinavischen Ministerpräsidentinnen um die letzten Schritte vor der offiziellen Bewerbung für die Nato gehen. Dabei sehen Nordeuropa-Experten es als sehr wahrscheinlich an, dass beide Regierungen sich sehr schnell in den kommenden Wochen für einen Nato-Beitrittsgesuch entscheiden werden.

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Zweitägige Klausurtagung der Bundesregierung im Gästehaus Schloss Meseberg. Heute Tag eins mit Sanna Marin, Ministerpräsidentin Finnland, Olaf Scholz, Bundeskanzler, Magdalena Andersson, Ministerpräsidentin Schweden (v. l.)

Bisher waren beide Länder militärpolitisch neutral, wenn auch mit Nato-Kontingenten gemeinsame militärische Übungen stattfanden. So basierte die schwedische und finnische Sicherheitspolitik auf guten Beziehungen zu Russland wie auch auf einer eigenen, schlagkräftigen Armee. Finnland hat eine über 1300 km lange Landesgrenze zu Russland.

Russische Invasion der Ukraine hat Stimmung verändert

Mit der russischen Invasion hat sich jedoch auch das skandinavische Bewusstsein für die eigene Sicherheit grundlegend verändert, wie ein Nato-Stimmungswechsel in Schweden und Finnland verdeutlicht. So waren vor dem Krieg in der Ukraine nur ca. 25 % in Schweden und Finnland für den Nato-Beitritt, während zwei Monate nach dem Krieg über 60 % für den Beitritt zum nordatlantischen Sicherheitsbündnis sind.

Zeitgleich nehmen in Russland öffentliche Provokationen gegen die skandinavischen Ambitionen des Nato-Beitritts zu. An Moskauer Bushaltestellen wurden Werbeplakate gesichtet, in denen bekannte schwedische Persönlichkeiten als Nazis diskreditiert wurden. Darunter Porträts der Schriftstellerin Astrid Lindgren, des Regisseurs Ingmar Bergman und Ikea-Gründers Ingvar Kamprad. Auch das russische Außenministerium drohte bereits mit „ernsthaften militärischen und politischen Konsequenzen“, falls die nordischen Länder der Nato beitreten wollen.