Es wird eine kurze Nacht für Angela Merkel nach dem Brexit-Gipfel in Brüssel. Am frühen Sonntagmorgen reist sie nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Und am Dienstag geht es weiter nach Russland – zum ersten Mal seit zwei Jahren stattet die Kanzlerin Präsident Wladimir Putin wieder einen Besuch ab.

Wegen des Annexion der Krim und des fortdauernden Ukrainekonflikts hatte Merkel auf solche Reisen eine Weile verzichtet. In allen drei Staaten.Offiziell ist es eine Tour als Präsidentin der diesjährigen G-20-Konferenz.

Die gemeinsame Erklärung kann es nur geben, wenn alle Staaten unterschreiben. Die Themenpalette ist noch etwas breiter.

Klima

Der Kampf gegen die Erderwärmung soll eigentlich ein Hauptthema der deutschen G20-Präsidentschaft sein. Und eigentlich sah man sich nach dem Pariser Klimaschutzabkommen vom vergangenen Jahr bereits auf einem guten Weg.

Doch dann kam in den USA Donald Trump ins Präsidentenamt, der Klimaschutz für unnötig hält. Die beiden Golfstaaten wie auch Russland sind als Ölexporteure ebenfalls schwierige Kandidaten – „defensiv“, wie es deutsche Diplomaten formulieren.

Syrien

Als Unterstützer des syrischen Präsidenten Assad hat Russland eine Schlüsselrolle im Syrien-Konflikt. Aber vor allem auch bei Saudi-Arabien erhofft die Regierung Hilfe bei einer Befriedung des Konflikts.

Allerdings gibt es immer wieder auch Berichte, dass die Terrormiliz des Islamischen Staats ausgerechnet aus Saudi-Arabien unterstützt – „aber nicht von der Regierung“, versichert man im Kanzleramt. Man sei einig im Anti-IS-Terror-Kampf.

Flüchtlinge

Immer wieder hat man in der Bundesregierung beklagt, dass die reichen Golfstaaten zu wenige Flüchtlinge aufnimmt – obwohl Syrien um die Ecke liegt, und obwohl die meisten Fliehenden ebenfalls muslimischen Glaubens sind.

Eine Milliarde Euro hat Saudi-Arabien im vergangenen Jahr für humanitäre Hilfe ausgegeben. Alle Staaten der Region „könnten noch mehr machen“, heißt es in der Regierung. Merkel werde das Thema ansprechen.

Jemen/Libyen

Die Region ist auch außerhalb von Syriens in Aufruhr: Krieg im Jemen, ein zerfallener libyscher Staat. Die Bundesregierung setzt auf stabilisierende Wirkung der Golfstaaten.

Menschenrechte

Die Kritik an Todesstrafe, Verhaftung von Menschenrechtlern und Journalisten werde in Saudi-Arabien vorgebracht, versichert die Bundesregierung.

Ein Treffen mit Nicht-Regierungsorganisationen ist nicht vorgesehen – dafür aber eines mit Unternehmerinnen. In einem Land, das Frauen unter die bodenlangen Umhang Abaya zwingt und ihnen das Autofahren verbietet, kann das durchaus ein Zeichen sein.

Rüstung

„In den Flieger passt kein Boot“, sagen Regierungsleute. Und auch Vertreter von Rüstungsfirmen sind nicht an Bord. Geschäfte etwa mit Saudi-Arabien gibt es auch ohne Kanzlerreise: Gerade läuft die Lieferung mehrerer Dutzend Patrouillenboote. Diese könnten „nicht für interne Repression genutzt werden“, versichert die Bundesregierung.

Wirtschaft

Der Ölpreisverfall trifft alle drei Staaten gleichermaßen. Russlands ökonomische Schwierigkeiten werden durch Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts verschärft. In die Golfregion begleiten sie Unternehmenschefs.

Der saudi-arabische Kronprinz versucht, sein Land leicht zu öffnen – da können Geschäfte abfallen. Außerdem soll ein Teil des staatlichen Ölkonzerns Aramco an die Börse gehen – interessant für die Finanzbranche.

Die deutsche Wirtschaft wünscht sich von den arabischen Ländern eine bessere Zahlungsmoral – und von der Bundesregierung eine Lockerung der Russlandsanktionen.