Berlin - Russland hat den Rückzug seiner in den vergangenen Wochen nahe der ukrainischen Grenze und auf der annektierten Krim-Halbinsel stationierten Truppen angekündigt. Die Ziele der Militärmanöver seien erreicht, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Donnerstag bei einem Truppenbesuch auf der Krim. Er habe daher einen Rückzug der Einheiten auf ihre Stützpunkte ab Freitag angeordnet. Der Abzug soll demnach bis 1. Mai abgeschlossen sein.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte den angekündigten Truppenabzug. Dies führe zu einem Abbau der Spannungen, erklärte er auf Twitter, und erklärte, die Ukraine werde wachsam bleiben. 

Vor dem Hintergrund der angespannten Situation hatte Ukraines Präsident Selenskyj seinen russischen Kollegen Wladimir Putin am Dienstag zu einem Treffen in der umkämpften Ostukraine eingeladen: Er sei bereit, Putin ein Treffen „an jedem Ort in der Donbass-Region, wo Krieg herrscht“, vorzuschlagen. Selenskyj warnte, Millionen von Menschenleben stünden auf dem Spiel.

Putin erklärte sich am Donnerstag nun zu einem Treffen mit Selenskyj bereit - allerdings nur zu Gesprächen über die bilateralen Beziehungen. Auf die Frage nach einem Treffen, wie von Selenskyj vorgeschlagen, sagte Putin, er sei „natürlich bereit“, den ukrainischen Präsidenten „jederzeit in Moskau zu empfangen“, wenn es darum gehe, über die beiderseitigen Beziehungen zu reden. Damit machte der Kreml-Chef deutlich, dass er die pro-russischen Separatisten als Selenskyjs Ansprechpartner im Ostukraine-Konflikt sieht.

Russland hatte die Manöver anberaumt, nachdem der ukrainische Präsident ein Dekret zur De-Okkupation des Donbass und der Krim  unterzeichnet hatte. Zugleich hält die Nato mit dem Manöver Europe Defender 2021 derzeit eines der größten Manöver seit Jahren durch. Russland hatte seine Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Außerdem beteiligten sich an den Manövern auf der Krim nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau rund 10.000 Soldaten und 40 Kriegsschiffe. Schoigu bezeichnete die Übungen als Reaktion auf „bedrohliche“ Aktivitäten der Nato.

In der vergangenen Woche hatte Russland zudem Beschränkungen für die Schifffahrt in der Umgebung der Krim verkündet. Demnach dürfen ausländische Kriegsschiffe und andere staatliche Schiffe die betroffenen Gebiete im Schwarzen Meer ein halbes Jahr lang nicht mehr passieren.

Dieser Schritt könnte den Zugang zu ukrainischen Häfen am Asowschen Meer erschweren, das durch die Straße von Kertsch an der Ostspitze der Krim mit dem Schwarzen Meer verbunden ist. Die EU sprach von einer „außerordentlich beunruhigenden Entwicklung“. Die Nato forderte von Russland eine freie Zufahrt zu den ukrainischen Häfen.

Im Ukraine-Konflikt spitzt sich die Lage zwischen Kiew und Moskau seit einigen Wochen wieder zu. In dem seit 2014 andauernden Konflikt zwischen pro-russischen Milizen und der ukrainischen Armee in der Ostukraine wurden bislang mehr als 13.000 Menschen getötet.

Seit Mitte Februar gibt es wieder verstärkte Kampfhandlungen, die einen ohnehin brüchigen Waffenstillstand weiter untergraben. Erst am Donnerstag wurde ein ukrainischer Soldat bei einem Beschuss der Front getötet, wie die Armee in Kiew mitteilte.

Nach EU-Schätzungen zog Russland mehr als 100.000 Soldaten entlang der ukrainischen Grenze zusammen. Washington warf Moskau vor, die Ukraine „untergraben und destabilisieren“ zu wollen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sprach vom größten russischen Truppenaufmarsch seit sieben Jahren. (mit AFP)