Eine S-Bahn der Linie S3 fährt in den Bahnhof Ostkreuz ein. Mitte Dezember bekommen die Züge, die tagsüber im Zehn-Minuten-Takt verkehren, Verstärkung.
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BerlinNormalerweise hält in Berlin jede S-Bahn an jeder Station. Doch nach dem Fahrplanwechsel, der in diesem Jahr am 15. Dezember stattfindet, wird dieses Prinzip unterbrochen. Zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof nimmt die neue Zuggruppe BII der S-Bahn den Betrieb auf. Sie stoppt unterwegs in Köpenick, Karlshorst, Ostkreuz und Warschauer Straße. Die S-Bahnhöfe Hirschgarten, Wuhlheide, Betriebsbahnhof Rummelsburg und Rummelsburg werden ohne Halt durchfahren. Die Express-S-Bahnen fahren montags bis freitags während der Hauptverkehrszeit alle 20 Minuten.

„Jetzt kommt es darauf an, wie die Fahrgäste informiert werden“, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. Schließlich sollte es für sie kein böses Erwachen geben, wenn die S-Bahn ihre Station ohne Halt passiert.

Auf der S3 gab es schon mal Verstärkerzüge, doch jahrelang fehlte wegen Bauarbeiten Gleiskapazität. Das neue, für Berlin ungewöhnliche Konzept wurde gewählt, damit die Züge schneller ihr Ziel erreichen und weniger Fahrzeuge benötigt werden. Drei Zugverbände mit je vier Wagen reichen aus.

Testlauf für "Schnellzüge" ins Havelland

„Ich glaube aber nicht, dass die Zuggruppe lange überlebt, wenn nach der Eröffnung des BER für die Strecke zum neuen Flughafen weitere S-Bahnen benötigt werden“, so Wieseke. Trotzdem begrüßt er die Expresszüge auf der S3: „Ein guter Testlauf für eine Express-S-Bahn zwischen Falkensee und Westkreuz, die wir für sinnvoll halten würden.“

Fahrgäste in Berlin sind es nicht gewöhnt, dass S-Bahnen Stationen ohne Halt durchfahren. Derzeit gibt es solche Fahrten nur vor und nach Veranstaltungen im Olympiastadion, bei denen auf dem Teilstück von und nach Westkreuz die beiden Zwischenstationen ausgelassen werden.

Damit Beschäftigte des DDR-Staatsapparates zur Arbeit kamen, ohne den Verlockungen West-Berlins zu erliegen, setzte die S-Bahn von 1953 bis 1958 Durchläuferzüge ein. Sie hielten in den Westsektoren nicht.

Mit Tempo 120 nach Zehlendorf

Eine weitere Ausnahme waren die elektrischen Bankierzüge, die von 1933 bis zum Zweiten Weltkrieg verkehrten. Sie fuhren in 17 Minuten ohne Halt von Zehlendorf zum damaligen Potsdamer Fernbahnhof unweit vom Potsdamer Platz. Ab 1938 war Tempo 120 möglich. Einen solchen Schnellbetrieb hatte es schon vorher gegeben - aber nicht mit elektrischen Zügen.

Normalerweise ist es schwierig, Expressfahrten abzuwickeln, ohne zuvor die Infrastruktur zu erweitern. Reguläre Züge stünden im Wege. Im Fall der S3 sind „Schnellzüge“ aber möglich. Sie fahren kurz vor den regulären S-Bahnen ab, genauer gesagt vor der Stammzuggruppe B. Im S-Bahnhof Warschauer Straße gibt es gute Anschlüsse an die S5, auch in der Gegenrichtung.

Für das Fahrplanjahr, das am dritten Advent beginnt, stehen weitere Änderungen fest. Eine Auswahl:

Straßenbahn fährt öfter zum Hauptbahnhof: Sie gehört zu den Erfolgsgeschichten des Berliner Nahverkehrs. Die Straßenbahnstrecke zum Hauptbahnhof wird besser genutzt, als sich die Planer einst ausmalen konnten. Auf der 2015 fertig gestellten Trasse wurden 20.000 Fahrgäste pro Tag erwartet – 2017 waren es doppelt so viele. Nun erfüllen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Wunsch, auf einer der drei Linien mehr Bahnen fahren zu lassen. Ab dem Fahrplanwechsel wird auf der M5, die in Hohenschönhausen beginnt, der Zehn-Minuten-Takt auf das Teilstück Hackescher Markt– Hauptbahnhof ausgedehnt – montags bis freitags von 6 bis 21, sonnabends von 10 bis 21 Uhr. Derzeit gilt dort ein 20-Minuten-Takt.

Weitere Neuerungen bei der BVG: Die BVG stockt auch auf den Straßenbahnlinien 16 (Ahrensfelde–Frankfurter Allee) und 50 (Französisch Buchholz– Wedding) ihr Angebot auf. Dort sind sonnabends mehr Fahrten geplant. Außerdem wird es beim Bus zum Teil neue Linienführungen geben. „Die meisten betreffen den Nachtverkehr“, so BVG-Sprecher Markus Falkner. Bei den Schienenverkehrswochen des Fahrgastverbands IGEB wird es auch eine öffentliche Veranstaltung mit der BVG geben. Deren Planer Klaus Emmerich und Helmut Grätz stehen Rede und Antwort (28. November, ab 19 Uhr im Betriebshof Lichtenberg, Siegfriedstraße 30-45).

Stündlich nach Rostock und Dresden: Wie berichtet verbessert die neue Intercity-Linie 17 die Verbindung von Berlin an die Ostsee und nach Dresden. Zusammen mit den Zügen, die dort heute schon verkehren, ergibt sich ein Stundentakt. Los geht es auf der neuen Fernverkehrslinie mit bis zu fünf Intercitys pro Tag und Richtung. Vom 8. März 2020 an werden es bis zu acht Fahrten sein. Dann beginnt die Bahn auch damit, moderne Doppelstockzüge des Schweizer Herstellers Stadler einzusetzen – mit WLAN. Fahrzeit von Berlin nach Rostock oder Dresden: eine Stunde, 59 Minuten. Ab 4. Mai halten sie am Flughafen Schönefeld, ab Oktober am BER. Vom 17. Mai an steuern die Intercitys im Norden auch Warnemünde an.

Bahn schließt Lücken im Fahrplan: Zusätzliche Fahrten auf den ICE-Linien Berlin–Erfurt–München und Berlin– Braunschweig–Frankfurt/Main sorgen für einen lückenlosen Stundentakt, teilt die Deutsche Bahn (DB) mit. Insgesamt wächst das Zugangebot zwischen Berlin und München um rund zehn Prozent. „In einem weiteren Schritt wird die DB ab Ende 2021 erstmals einen 30-Minuten-Takt zwischen Hamburg und Berlin fahren“, teilte die Bahn weiter mit.

Zwei neue Direktverbindungen nach Wien: Ein Zugpaar der neuen Intercity-Linie nach Rostock wird vom 8. März 2020 an nach Wien verlängert – täglich via Jena, Nürnberg und Regensburg. Am 4. Mai startet erstmals der neue Railjet der österreichischen Bahn ÖBB morgens gegen 6 Uhr von Berlin über Prag und Wien nach Graz.

Schneller in die polnische Hauptstadt: Zwischen Berlin und Warschau verkürzt sich ab Juni 2020 die Reisezeit in den Eurocity-Zügen deutlich. Die Bahn spricht von 30 Minuten, zum Teil dürfte die Ersparnis größer ausfallen. Nach dem Ende von Bauarbeiten kommen die Züge wieder deutlich schneller voran. Heute dauert die Fahrt noch knapp sechs Stunden. Außerdem soll das Angebot 2020 schrittweise von jetzt vier auf sieben Zugpaare täglich erhöht werden.

Neues im Regionalverkehr: Nach Szczecin (Stettin) gibt es eine neue Spätverbindung (ab Angermünde 23.45 Uhr mit Anschluss aus Berlin) und morgen gegen 4.30 Uhr eine neue Frühverbindung. Nordwestlich Berlins wird ein neuer Haltepunkt eröffnet. In Kyritz, von manch einem Kyritz an der Knatter genannt, halten die Regionalzüge zusätzlich am Bürgerpark – neben dem neuen Busbahnhof.