Ein ehemaliger Berliner Imam muss als Terrorhelfer für vier Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Das Kammergericht der Hauptstadt sprach den 31-Jährigen am Mittwoch der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland schuldig. Er habe mindestens 13 russischsprachigen Anhängern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bei der illegalen Reise von ihrem Heimatland nach Syrien geholfen, so das Gericht. Ein früheres Urteil gegen den Ex-Imam wegen Werbung für den IS wurde in die verhängte Gesamtstrafe einbezogen.

„Der Angeklagte war kein Mitläufer. Er ist eine Person, die den IS maßgeblich unterstützt hat“, sagte der Vorsitzende Richter. Das umfassende Geständnis des 31-Jährigen und seine glaubwürdige Abkehr von salafistischen Gedanken hätten zu einer vergleichsweise milden Strafe geführt. Der 31-Jährige, ein Russe dagestanischer Herkunft, habe Schleuserstrukturen offengelegt, Namen genannt und andere mutmaßliche Terrorunterstützer belastet.

Dem ehemaligen Imam waren acht Fälle der Terrorunterstützung in der Zeit von Juli 2014 bis Januar 2015 zur Last gelegt worden. Der 31-Jährige hatte laut Anklage von Berlin aus die Abholung und Betreuung von Ausreisewilligen mitorganisiert und sie zum Teil an Schleuser vermittelt. „Hierdurch führte er dem IS eine Reihe von Personen zu, die sich mit seiner Hilfe der Vereinigung als Kämpfer anschlossen.“

2002 illegal nach Deutschland eingereist

Der 31-Jährige hatte erklärt, er als ein Mann ohne Ausbildung sei „verblendet“ gewesen. Seit seiner Inhaftierung im Oktober 2015 habe er sich vom Salafismus „immer weiter entfernt“. Auch im ersten Prozess vor einem Jahr hatte der Ex-Imam gestanden. Damals erhielt er zweieinhalb Jahre Haft.

Der Angeklagte war 2002 illegal nach Deutschland eingereist. Sein Asylantrag, den er unter falschem Namen stellte, wurde abgelehnt. Nachdem der 31-Jährige zunächst Drogen konsumiert und dem Glücksspiel nachgegangen sei, habe er sich 2004 spontan geändert und zunehmend radikalisiert, so das Gericht. Mit einem Alias-Namen soll der Ex-Imam mindestens seit 2007 in das Gewalt befürwortende salafistische Spektrum in Berlin eingebunden gewesen sein.

Das Urteil entsprach im Wesentlichen dem Antrag des Staatsanwalts, der fünf Jahre Haft verlangt hatte. Der Verteidiger hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt. (dpa)