Berlin - Aufwachsen im Internet ist doch nicht so lustig, wie uns der Begriff „Digital Natives“ weismachen möchte. Mit dieser Bezeichnung sind ja all jene gemeint, die quasi vom Grundschulalter an auf WhatsApp, Snapchat und Instagram unterwegs sind. Die neue Sprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, gehört dazu.

Die 20-Jährige hat sich schon als Teenie recht lautstark zu Wort gemeldet. Mit Formulierungen, die nicht immer sympathisch sind, teilweise auch ziemlich ätzend. Bei all dem, was man da so liest, kann man nur hoffen, dass die junge Grüne in den letzten fünf, sechs Jahren eine sehr deutliche Weiterentwicklung gemacht hat. Nicht jede 14-Jährige antwortet auf einen Hakenkreuz-Tweet mit „Heil“.

Dummerweise sind sofort nach ihrer Wahl an die Spitze der Grünen Jugend einige dieser Einlassungen als Screenshot auf Twitter aufgetaucht. Dummerweise deshalb, weil es offenbar auch für Digital Natives nicht ganz klar ist, dass das Internet nichts vergisst. Es sei denn, man löscht es gründlich. Sarah-Lee Heinrich hat das ganz offensichtlich nicht getan. Das zeigt, dass auch bei der Grünen Jugend die Vorstellung noch nicht sehr ausgeprägt ist, dass man sich angreifbar macht, sobald man in der Öffentlichkeit steht. Man kann darauf reagieren, wie man möchte, aber man sollte es wissen.

Sarah-Lee Heinrich hat also einen veritablen Shitstorm geerntet. Das wäre einigermaßen in Ordnung, denn neben der vielen Angriffe hat sie auch viele Solidaritätsadressen erhalten, die ihr den Rücken stärkten und darauf verwiesen, dass die dummen Äußerungen von einer Jugendlichen gemacht wurden und dass nicht jeder gleich als austarierter Berufspolitiker zur Welt kommt. Nächstes Thema bitte.

Leider ist es aber nicht ganz so einfach. Die Studentin hat sich jetzt erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Presseanfragen beantwortet sie nicht. Stattdessen berichtet die Pressestelle der Grünen Jugend, dass ihre neue Sprecherin massive Morddrohungen erhalten habe. Und dann ertappt man sich dabei, dass man diesen – mit Sicherheit anonymen – Schmierfinken dann doch auch gerne ein paar von Sarah-Lees Teenager-Schimpfwörtern hinhauen möchte.