Sarah Oswald: „Dass jeder böllern kann, finde ich absolut nicht nachvollziehbar“

Was denken Berliner über Klimawandel und Klima-Kleber? Heute: „Abendschau“-Moderatorin Sarah Oswald hat klare Ansichten zur umweltschädlichen Silvester-Böllerei.

RBB-Moderatorin Sarha Oswald
RBB-Moderatorin Sarha OswaldIllustration: Uroš Pajović/Berliner Zeitung Foto: Jenny Sieboldt/rbb

Der Sommer war zu heiß, der Herbst zu warm, das Jahr 2023 begann fast mit T-Shirt-Wetter. Nur noch vier von hundert Bäumen in Berlin sind gesund. Das Klima verändert sich. Auch politisch bewegt das Thema die Stadt, 180.000 Menschen haben unterschrieben, dass Berlin schon 2030 klimaneutral werden soll, es wird einen Volksentscheid geben. Fast täglich blockiert die Protestgruppe Letzte Generation die Straßen.

Was sollen wir tun, um dem Klimawandel zu begegnen, wie soll sich Berlin verändern? Wir wollen in der Berliner Zeitung so viele Stimmen wie möglich zu Wort kommen lassen. Alle Fragebögen finden Sie hier. Diesmal hat Sarah Oswald geantwortet, Moderatorin der „Abendschau“ im RBB.

Der Klimawandel wird unser aller Leben verändern. Wovor haben Sie am meisten Angst?

Vor den steigenden Temperaturen und den Waldbränden in unserer Region. Ich verstehe niemanden, der sich freut, dass der Berliner Winter endlich nicht mehr so „arschkalt“ ist wie früher. Oder aber, dass es im Sommer „so schön“ trocken bleibt. Für mich fühlt sich das jetzt schon mehr als unnatürlich an und mir graut es vor dem nächsten Sommer. Der Klimawandel ist da und spürbar.

Was tun Sie persönlich, um Ihre CO₂-Bilanz zu senken?

Ich fahre Bahn. Schon immer und viel. Wir haben zwar ein Auto, aber das nutze ich nicht für meinen Arbeitsweg. Obwohl ich damit schneller wieder zu Hause wäre. Außerdem fliege ich kaum bis gar nicht. Auf jeden Fall bin ich schon so lange nicht mehr geflogen, dass ich den BER noch nicht von innen kenne. Und schon gar nicht aus der Luft.

Worauf wollen Sie trotz Klimawandel nicht verzichten?

Auf Fleisch zu verzichten, fällt mir schwer. Aber ich versuche weniger Fleisch zu essen. Wir achten zu Hause auch darauf, dass es aus der Region kommt. Aber der Handel könnte es dem Verbraucher da etwas einfacher machen. Grundsätzlich bei allen Lebensmitteln. Im Supermarkt finde ich oft Obst und Gemüse nur aus Südeuropa und muss lange suchen, bis ich was aus Brandenburg entdecke. Eine bessere und nachvollziehbare Kennzeichnung würde ich mir bei allen Produkten wünschen.

Was muss sich in Ihrer Branche am dringendsten ändern?

Neben den Anstrengungen des RBB selbst klimabewusster zu produzieren, muss es unsere Aufgabe sein, die Menschen in Berlin und Brandenburg aufzuklären. Über den Klimawandel und die Folgen direkt für unsere Region. Aber wir sollten auch dahin schauen, wo’s gut läuft. Welche innovativen Ideen es in der Region gibt.

Klimaaktivisten blockieren regelmäßig Straßen in Berlin. Hilft das der Sache oder schadet es mehr?

Ich habe Verständnis dafür, dass diese Generation Angst vor ihrer Zukunft hat. Es sind vor allem die jungen Menschen, die den Klimawandel in aller Härte zu spüren bekommen werden. Wenn wir uns alle nicht mehr bewegen. Aber ich bin auch überzeugt, dass die Klimaaktivisten mit diesen Aktionen andere Menschen, die vielleicht noch zweifeln, nicht dazu bewegen, mehr für den Klimaschutz zu tun. Im Gegenteil.

Können Sie sich Berlin ganz ohne Autos vorstellen?

Komplett – nein! Dafür ist zum Beispiel die Anbindung für viele Pendler aus dem Umland oder vom Stadtrand leider oft zu schlecht. Aber innerhalb des S-Bahn-Rings kann ich mir vorstellen, dass es irgendwann keinen Individualverkehr mehr gibt.

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Jenny Siebold/rbb
Zur Person
Sarah Oswald, geboren 1986 in Ost-Berlin,  absolvierte ein Volontariat bei einem privaten Radiosender und arbeitete als Redakteurin u.a. für Nachrichtenformate der Sender RTL, n-tv und VOX. 2014 wechselte sie zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Seit Februar 2019 ist Oswald dort auch Moderatorin der „Abendschau“.

Haben Sie vor, Ihr Auto abzuschaffen?

Nein. Denn unsere Hündin Tinka ist sehr ängstlich. Bahnfahrten sind deshalb mit ihr nicht machbar. Für Deutschlandurlaube und Ausflüge ins Umland werden wir das Auto deshalb weiternutzen. Aber meistens sind wir mit Tinka eh im Wald vor unserer Haustür in Köpenick unterwegs.

Was erwarten Sie von der Politik – was sollte sie als dringendste Klimaschutzmaßnahme durchsetzen?

Aus aktuellem Anlass: ein Böllerverbot. Silvester ist für mich schon immer schwierig. Der Krach, der Dreck, die Luftverschmutzung, die vielen Tiere, die extrem darunter leiden. Und das ja mittlerweile tagelang. Organisierte Feuerwerke – okay. Aber dass jeder böllern kann, finde ich in diesen Zeiten absolut nicht nachvollziehbar. Über ein Tempolimit sollte ebenfalls dringend ernsthaft gesprochen werden.

Klimaschutzminister Habeck duscht nur noch zwei Minuten. Wie lange stehen Sie noch unter der Dusche?

Ich habe noch nicht die Zeit gestoppt. Aber ich versuche schneller zu sein und mache auch das Wasser zwischendurch aus.

Was ist Ihr bester, klimaschonender Alltagstipp?

Kurz und knapp: mehr mit der Bahn fahren.

Berlin im Jahr 2030: Was muss geschehen, damit wir es in der Stadt auch dann noch aushalten?

Wir müssen aufhören so viel Fläche zu versiegeln. Mehr grün, mehr Bäume! Nicht nur am Stadtrand, sondern auch in der Innenstadt.