Berlin - Nach dem angekündigten Rückzug von Norbert Walter-Borjans von der Parteispitze dreht sich innerhalb der SPD das Personalkarussell. Eine, die besonders unter Zugzwang stand, äußerte sich jetzt nach tagelangem Schweigen: Saskia Esken, die seit 2019 an der Seite von Norbert Walter-Borjans Co-Parteivorsitzende ist, möchte dies auch bleiben. Beim Parteitag im Dezember werde sie wieder antreten, kündigte Esken am Donnerstag an. Sie habe sich entschieden, ihre „Bewerbung für das höchste Parteiamt zu erneuern“, sagte Esken der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. 

„Norbert Walter-Borjans und ich haben in den vergangenen zwei Jahren viel erreicht“, sagte die 60 Jahre alte Baden-Württembergerin. „Die SPD ist geeint, erfolgreich und stark wie seit Jahren nicht mehr.“ Diesen Weg wolle sie fortsetzen. NoWaBo, wie er genannt wird, hatte den Platz für einen Generationenwechsel freigemacht. Es sollten Jüngere ran, sagte der 69-Jährige. 

Als neuer Co-Vorsitzender wird bereits SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil (43) gehandelt. Dieser war von Fraktionschef Rolf Mützenich ins Gespräch gebracht worden – ebenso wie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (47). Ob Schwesig nun noch antritt, ist ungewiss. Sie hatte es immerhin nicht kategorisch ausgeschlossen.

Mützenich hatte zuvor ebenso Druck auf Saskia Esken ausgeübt, sie solle sich zwischen dem Posten als Parteichefin oder als Ministerin entscheiden. Beides auszuüben, sei nicht möglich. Bislang war die Parteichefin auch als mögliche Ministerin in einer Ampel-Regierung gehandelt worden. Noch aber verhandeln SPD, Grüne und FDP über ein solches Bündnis.

Ob Saskia Esken wiedergewählt wird, ist nicht in trockenen Tüchern

Saskia Esken zählt zum linken Flügel der Partei und ist voll auf der Linie von Kevin Kühnert. Der Parteivize hatte das Duo Esken und Walter-Borjans 2019 als neue Parteichefs durchgesetzt. Statt dem Vizekanzler Olaf Scholz und seiner Mitkandidatin Klara Geywitz hatte sich die Parteibasis für Esken und Walter-Borjans entschieden.

Ob sie ihre Wiederwahl gewinnt, ist noch nicht in trockenen Tüchern. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich auch Bewerberinnen oder Bewerber melden, die bisher nicht gehandelt werden. Die Vorsitzenden sollen auf einem SPD-Parteitag vom 10. bis 12. Dezember gewählt werden.